Auf zwei Rädern um die Welt

Veröffentlicht am Mittwoch, 22. Februar 2017

Vor rund 30 Jahren waren sie in der Hälfte aller DDR-Haushalte zu Hause, heute sind sie eher eine Rarität bzw. ein Fall fürs Museum: die MZ-Motorräder aus der Erzgebirgsstadt Zschopau. In seiner Sonderschau »Trophys & Trophäen« lässt das Verkehrsmuseum die Erfolgsgeschichte des Zweirads Revue passieren. 35 Serienmotorräder, Rennmaschinen und Gespanne, aber auch Sondermodelle für Polizei und Feuerwehr zeigen die Entwicklung zwischen 1950 bis 2005.

Harald Sturm: Probesitzen auf einer MZ-Rennmaschine. Foto: Pohl

Harald Sturm: Probesitzen auf einer MZ-Rennmaschine.

Foto: Pohl

Vor rund 30 Jahren waren sie in der Hälfte aller DDR-Haushalte zu Hause, heute sind sie eher eine Rarität bzw. ein Fall fürs Museum: die MZ-Motor­räder aus der Erzge­birgs­stadt Zschopau. In seiner Sonder­schau »Trophys & Trophäen« lässt das Verkehrs­museum die Erfolgs­ge­schichte des Zweirads Revue passieren. 35 Serien­mo­tor­räder, Rennma­schinen und Gespanne, aber auch Sonder­mo­delle für Polizei und Feuerwehr zeigen die Entwicklung zwischen 1950 bis 2005. Wer von den Besuchern selbst eine MZ gefahren hat oder Sozius war, wird sich an unver­gessene Momente erinnern: an die erste Tour zum Zelten an die Ostsee, an die Fahrt zum Standesamt, die Ausfahrt mit Gleich­ge­sinnten zu Motor­rad­rennen oder daran, dass der Nachwuchs gut im Beiwagen zu kutschieren war. Das Zwei-Rad war für viele ein günstiger »Auto-Ersatz«, denn auf ein neues Vier-Rad musste lange gewartet und gespart werden. MZ machte die DDR auch in der Welt bekannt: der Export­schlager rollte in 100 Ländern auf der Straße und setzte Achtungs­zeichen im Rennsport. Von 1957 bis 1973 war MZ die führende deutsche Marke im Motor­rad­renn­sport der Hubraum­klassen 125 ccm, 250 ccm und 350 ccm. In den 1960er Jahren gewann das Enduro-Team der DDR auf MZ sechsmal die legen­dären Six Days, die bis heute schwerste Motor­sport-Gelän­de­prüfung der Welt. Vor 30 Jahren gewann die DDR-Mannschaft den großen Pokal der Six Days. Einer der Werks­fahrer bei MZ war Harald Sturm. »Ich bin stolz darauf, dass ich die Zeit mit MZ erleben durfte«, sagte der heute 60-Jährige zur Ausstel­lungs­er­öffnung. Zwischen 1975 und 1990 wurde er mehrmals Europa- und Weltmeister. »Es macht mich traurig, dass es zu Ende gegangen ist.« Das ist die zweite Seite der Medaille: Bis 1989 gehörte das volks­eigene Motor­radwerk Zschopau zu den größten Motor­rad­her­stellern der Welt. Nach der Wende ging es abwärts. Die Priva­ti­sierung des Unter­nehmens mit verschie­denen Inves­toren schlug fehl. Trotz mehrerer Anläufe kam 2013 das endgültige Aus.

In der Ausstellung lebt das Motor­radland Sachsen anhand umfang­reicher Dokumente und Exponate wieder auf. Daran haben auch viele Fans mit ihren Leihgaben einen großen Anteil. Erinnert wird daran, dass vor 95 Jahren bei DKW in Zschopau – der Wiege und Hochburg des Motor­radbaus in Deutschland – das erste motori­sierte Zweirad gebaut wurde. An die Erfolge von DKW knüpfte das Motor­radwerk Zschopau an. Vor 60 Jahren wurde hier mit der 150 Kilogramm schweren MZ ES der Markenname MZ geboren. Das Nachfol­ge­modell MZ ETZ lief 550.000 Mal vom Band und wurde damit das erfolg­reichste Modell. Auf Sonder­an­fer­ti­gungen in der Schau macht Kurator Thomas Giesel aufmerksam: Beispiels­weise auf ein robustes beige­far­benes Modell »ohne Rückspiegel, ohne Blinker, ohne Schnick­schnack«, »wüsten­tauglich« produ­ziert für den Export in arabische Länder.

Und dann sind da noch die »Behör­den­fahr­zeuge«: Kraft­räder für die Feuerwehr zur Patrouille bei Waldbrand­gefahr in der Lausitzer Heide, für die Polizei zur Begleitung von hochran­gigen Delega­tionen. Und natürlich sind auch einige Renn-Maschinen zu sehen. Harald Sturm darf, was Besuchern verboten ist: sich einmal drauf­setzen.

Die Ausstellung ist bis 6. August geöffnet.

Christine Pohl

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