Die Neustadt hat sich weiterentwickelt

Die Neustadt Zeitung im Gespräch mit Ortsamtsleiter André Barth, Teil 2

Veröffentlicht am Donnerstag, 23. Februar 2017

Ortsamtsleiter André Barth im Gespräch mit der Neustadt Zeitung über Verkehr, Einwohnerzahlen, Bau und Kinderbetreuung in der Dresdner Neustadt. Teil 2 des Interviews zum Jahresauftakt.

Zwei Dauerthemen beschäftigen nicht nur die Neustadt: ­Königsbrücker Straße und ­Stauffenbergallee. Gibt es Licht am Ende des Tunnels?

Der Stadtrat hat ja die Vorzugsvariante festgelegt für die Königsbrücker Straße. Damit ist die Grundsatzentscheidung gefallen. Derzeit ist man bei der Stadt beschäftigt, die sogenannte Entwurfsplanung zu erarbeiten. Das ist eine relativ genaue Planung, die dann im Detail auch zeigt, wie die Straße aussehen soll. Sie ist notwendig, um bei der Landesdirektion das Planfeststellungsverfahren zu beantragen und dieses Planfeststellungsverfahren bringt uns dann das Baurecht. Wie lange das dauern wird, kann ich nicht sagen. Wenn Baurecht vorliegt, erfolgt die Ausschreibung, dann kann der Bau starten. Das wird vermutlich nicht vor 2019/20 sein.

Bei der Stauffenbergallee haben wir ebenfalls die Grundsatzentscheidung für eine zweispurige Variante vorliegen. Auch hier beschäftigt sich die Stadtverwaltung derzeit mit der Entwurfsplanung. Auf den Zeitpunkt des Baubeginns hat hier u. a. Einfluss, wann der neue S-Bahn-Haltepunkt Albertstadt oberhalb der Stauffenbergallee kommt. Gegebenenfalls denken wir über abschnittsweises Bauen nach. Der jetzt schon vorhandene vierspurige Bauabschnitt zwischen Königsbrücker Straße und Rudolf-Leonard-Straße könnte demnach in einem zweiten Schritt realisiert werden.

Stichwort Bautzener Straße: Durch den Rückbau der „Nase“ an der Rothenburger Straße ist eine Gefahrenstelle für Radfahrer entschärft worden. Warum hat das so lange gedauert? Das Problem war bekannt.

Ursprünglich war der Umbau der Bautzner Straße/Ecke Rothenburger Straße, also dieser „Nase“, im Zuge der Baumaßnahme zwischen Hoyerswerdaer Straße und Glacisstraße vorgesehen. Dort muss die DVB perspektivisch ihre Gleisanlagen erneuern.

Weil man nicht bis zum nächsten Jahr warten wollte, hat man die Ecke aus dem Projekt herausgelöst. Dafür waren, u. a. auch aufgrund der dichten oberirdischen und unterirdischen Bebauung in diesem Bereich umfangreiche Planungsleistungen erforderlich. Ein Straßenbahnmast, der dort versetzt werden musste, hatte viele Funktionen. Es waren planerische Leistungen notwendig, eine entsprechende Ausschreibung war erforderlich. Das alles hat seine Zeit in Anspruch genommen, bis dann im Oktober der Umbau erfolgen konnte.

Ich hoffe, dass man in diesem Jahr das Straßenstück zwischen Hoyerswerdaer Straße und Glacisstraße ausbaut. Das wäre nur konsequent, weil die DVB dringend die Schienen auswechseln müssen. Wenn wir erst danach die Straße ausbauen, wäre das verlorenes Geld. Zum anderen würde sich die Verkehrssituation für alle Verkehrsteilnehmer ­verbessern.

Woran könnte der Ausbau scheitern?

Es gibt Belange seitens des Denkmalschutzes, die Grünanlage an der Kleinen Bautzner Straße betreffend. Dadurch wird im Moment die Planung etwas gehemmt. Ich möchte aber davor warnen, den Ausbau erst nächstes Jahr zu beginnen.

Wann kommt der separate Radweg zwischen Albertplatz und Carolaplatz?

Die Planung läuft. Derzeit wird intensiv untersucht, wie man den Radweg am Albertplatz und am Carolaplatz verkehrssicher einbindet. Wann der Radweg kommt, kann ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sagen. Fakt ist, dass die 2016 anstelle der Fußgängerbrücke zu errichtende Fußgängerampel am Archivplatz diesen Radweg schon berücksichtigt.

Der Tunnel am Neustädter Markt ist Geschichte, ein Impuls für die Entwicklung des ­Quartiers?

Der Rahmenplan Innere Neustadt hatte immer zum Ziel, dass die Verbindung zwischen Alt- und Neustadt verbessert wird. Das ist auch notwendig. Die Augustusbrücke wird künftig autofrei sein. Damit gewinnt die ebenerdige Querung der Straße zusätzlich an Bedeutung. Sie bringt die Sichtachse in die Neustadt, die gerade Lauflinie in die Neustadt und all das verbessert aus meiner Sicht die Anbindung doch erheblich. Ich halte das alles zusammen schon für einen Impuls, was die weitere Entwicklung des Quartiers betrifft. Die Öffnung der Vonovia- (ehemals Gagfah) Gebäude links eingangs der Hauptstraße wird in diesem Kontext ebenfalls eine wichtige Rolle spielen.

Im vergangenen Jahr waren Sie optimistisch, dass die 50.000-Einwohnergrenze geknackt wird. Ziel erreicht?

Na klar, das haben wir geschafft! Im dritten Quartal 2016 zählten wir 50.009 Neustädterinnen und Neustädter. Inzwischen liegen wir bestimmt schon wieder drüber, aber belegen kann ich vorerst das dritte Quartal.

In welchen Bereichen des Stadtteils war die Zahl der Geburten am größten?

Die Geburtenzahlen sind in der Neustadt stadtweit mit am höchsten. Auf die Stadtteile bezogen heißt das für die Äußere Neustadt 2016 329 Geburten, wir haben im Bereich der Leipziger Vorstadt 214 Geburten. Es folgen die Radeberger Vorstadt mit 123, die Innere Neustadt mit 104 und die Albertstadt mit 36 Geburten.

Wie sieht die Altersstruktur aus? Hat sich die soziale Struktur erkennbar verändert?

Nein! Nach wie vor ist es so, dass die Gruppe der 30- bis 44-Jährigen generell den größten Anteil stellt. Man sieht, dass der nach der Wende einsetzende Geburtenknick, d. h. die 18- bis 20-Jährigen langsam angekommen ist. Es sind, verglichen mit 2013, rund 1.000 Personen weniger, die per 30. September 2016 gezählt ­wurden.

Der Wohnungsmarkt präsentiert sich in Großstädten allgemein recht angespannt. Hat die Neustadt noch Platz?

Allein in der Oberen Neustadt im Bereich der Tannenstraße sind im letzten Jahr ungefähr 200 Wohnungen entstanden, das Hofquartier zwischen Bautzner Straße und Böhmischer Straße ist fertiggestellt worden und auch an der Kiefernstraße sind neue Wohnungen entstanden. Es passiert natürlich eine ganze Menge. Zum Beispiel oberhalb der Stauffenberg­allee östlich der Marienallee und hinter der Landesdirektion – das können um die 1.300 Wohnungen werden. Für beide Projekte laufen die Bauplanverfahren, d. h. hier wird demnächst eine ganze Menge passieren. Im Bereich des Königsufers ist noch Platz. Dort hat der Stadtrat den Bebauungsplan einschließlich Durchführung eines Wettbewerbsverfahrens beschlossen. Potentielle Fläche steht auch auf dem Grundstück der Dentalfabrik zur Verfügung. Baulücken gibt es u. a. auf der ­Melanchtonstraße.

Sind genug wohnortnahe Betreuungsplätze für Kinder vorhanden oder wie weit müssen Eltern fahren, um ihren Nachwuchs in die Kita zu bringen?

Im Ortsamt Neustadt haben wir seit Jahren mit einer Unterversorgung mit Kita-Plätzen zu kämpfen. Kompensiert wird das vor allem durch die Altstadt und durch Loschwitz, wo das Angebot größer als der Bedarf ist. Damit haben wir zwar für jedes Kind einen Kita-Platz und tragen dem gesetzlichen Anspruch Rechnung, aber nicht immer ist ein Platz zur gewünschten Zeit am gewünschten Ort verfügbar. Teilweise verschieben die Eltern den Betreuungsbeginn deshalb oder sie nutzen den Platz an anderer Stelle. Der städtische Eigenbetrieb unterstützt in diesen Fragen. Weitere Kindertagesstätten in der Neustadt, soviel kann ich sagen, sind geplant.

Wenn wir einmal beim Thema sind. Die bauliche Substanz der Dreikönigsschule wird als ziemlich marode beschrieben. Zeichnet sich für die nahe Zukunft eine Lösung ab?

Für Haus B gab es bisher keine Finanzierung. Dieser Umstand hätte für das Gymnasium eine mehrmalige Auslagerung nach sich gezogen. Der Stadtrat sah das nach vielen Diskussionen genauso und hat im Haushaltsplan für 2018 3,5 Millionen Euro für die Sanierung von Haus B eingestellt. Damit ist die Sanierung erst mal möglich. Es gibt noch einen Konflikt in der Finanzierung, da für die Bauarbeiten nach Berechnung der Verwaltung 3,9 Millionen Euro nötig wären, um die entsprechenden Planungsleistungen beauftragen zu können. Dieser Konflikt muss gelöst werden. Die Sanierung im Haus C läuft, im Haus A sollen die Arbeiten im Frühjahr 2018 beginnen. Damit ist gewährleistet, dass neben der derzeitigen Teilauslagerung nur noch eine einzige Komplettauslagerung erforderlich ist.

(Es fragte Steffen Möller.)

Steffen Möller

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