Die Staatsoperette – angekommen im neuen Haus

Im Gespräch mit Klaus-Detlev Puchta, Fördermitglied im Förderforum der Staatsoperette Dresden e. V.

Veröffentlicht am Sonntag, 22. Januar 2017

2002 gründete sich das Förderforum der Staatsoperette. Ziel war, den Umzug der Operette ins Zentrum zu befördern. Jetzt ist die Operette in Dresdens kultureller Mitte angekommen.

Bitte Platz nehmen, gleich hebt sich der Vorhang... Fotos: Puchta

Bitte Platz nehmen, gleich hebt sich der Vorhang...

Foto: Puchta

Es ist passiert! Das einzige selbstständige Operettentheater Deutschlands, die Staatsoperette Dresden, ist aus Leuben fortgezogen und im Herzen ihrer Stadt erfolgreich angekommen. Ihr neues Zuhause gemeinsam mit dem tjg. theater junge generation ist der denkmalgeschützte Industriebau des ehemaligen Kraftwerkes Mitte mit seinen res­taurierten historischen Klinkerfassaden des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Marion Neumann sprach mit Fördermitglied Klaus-Detlev Puchta über seine Empfindungen zur Eröffnung.

Wie man zum Fan der Operette wird

Klaus-Detlev Puchta, Jahrgang 49, hat an der TU Dresden studiert und war seit 1990 für ein Stuttgarter Unternehmen als Vertriebsmitarbeiter für elek­tronische Zeiterfassung tätig. Seit 2007 ist er Mitglied im Förderforum der Staatsoperette. Das war 2002 gegründet worden mit dem Ziel „Operette im Zentrum“.

Tochter Laura hatte sich 2006 bei einem Casting der Operette für das Musical „Jesus Christ Superstar“ für den „Girls Choir“ beworben und wurde mit ihrer Freundin aus mehr als 70 Bewerberinnen ausgewählt. Schließlich stand sie dann mit diesem Musical fast drei Jahre lang auf der Bühne der Staatsoperette. Er lächelt stolz: „Ich habe mir das Musical bestimmt fünf Mal angesehen, habe auch viele Freunde mitgenommen, da mich sowohl die Leistung des gesamten Ensembles als auch die Geschichte an sich begeistert haben.“ Ein Musical- und Operetten-Fan war er da schon längst geworden, hatte sich in Hamburg, Stuttgart und Berlin einige Musicals angesehen. So kam er zu der Überzeugung, dass beispielsweise die Produktion der „Evita“ in der Operette künstlerisch deutlich besser und nachhaltiger war.

Ganz persönliche Beziehungen

Als gebürtiger Dresdner und als langjähriges Mitglied im Fol­kloretanzensemble „Thea Maass“ der TU Dresden bestand bereits über viele Jahre eine enge Bindung zur Kulturszene der Stadt Dresden. Auftritte mit dem Tanz­ensemble im Kulturpalast und in der Staatsoperette führten natürlich zu einer engen Beziehung zu den Häusern. So wurden die ausgesprochen schwierigen Bedingungen für Künstler, Techniker und die vielen guten Geister vor und hinter den Kulissen in der Operette persönlich erlebbar. Mit der Mitgliedschaft im Förderforum war unweigerlich der Wunsch verbunden, die „Operette im Zentrum“ unterstützen zu wollen. „Dass der damalige Kämmerer der Stadt, Hartmut Vorjohann, die Staatsoperette trotz einer sehr hohen Auslastung schließen wollte, hat mich einfach nur wütend gemacht“, resümiert Klaus-Detlev Puchta noch heute. „Die Eröffnung unseres neuen Kulturkraftwerkes hat nun gezeigt, dass dieser gemeinsame Kampf um den Erhalt der Staatsoperette von vielen Menschen mit Herzblut getragen wurde und endlich erfolgreich war.“

Die besondere Exkursion

Auf Einladung des Förderforums der Staatsoperette konnten die Fördermitglieder die Akustik- und Generalprobe zu „Orpheus in der Unterwelt“ unter der Leitung von Andreas Schüller genießen. Der erste Gang durch das Maschinenhaus war ungewöhnlich, zumal die antiquierte und in die Jahre gekommene Atmosphäre in Leuben noch in frischer Erinnerung war. Klaus-Detlev Puchta kommt ins Schwärmen: „Der Eintritt in den neuen Saal war einfach umwerfend. Die Bilder, die wir vorher als Computersimulation gesehen hatten, konnte man mit der Realität des neuen Hauses nicht vergleichen. Wir hatten für den Einbau einer modernen, zeitgemäßen Akustik gestimmt. Was wir aber an technischer Raffinesse während der Aufführung erleben konnten, übertraf alle Erwartungen. Solche technischen Möglichkeiten mit Drehbühnen, Videoprojektion, Seitenbühnen, großer Bühnenbreite und -tiefe hatte die Operette noch nie besessen.“

Erwartungen an die neue Spielstätte

Der Abschied vom Leubener Musiktheater fiel schwer. Nicht ohne Wehmut erinnert sich Puchta an das 60. Jubiläum der Staatsoperette, als gleich zwei Paare aus „My fair Lady“ auf der Bühne standen: Rita Böhme mit Peter Herden und Jessica Glatte mit Tom Pauls. Beide haben in Leuben Musiktheatergeschichte geschrieben. Auch bei Sommerfesten und dem jährlichen Operettenball im Taschenbergpalais konnten die Künstler auch privat erlebt werden.

Die „Operette im Zentrum“ will nun mit einem beeindruckenden Spielplan viele Besucher angelocken. Mögen von diesem Haus generationsübergreifend neue und weitreichende Impulse ausgehen, um in allen Landen zu zeigen, dass das Musiktheater generell zum kulturvollen Leben der Menschen gehört. Klaus-Detlev Puchta betont mit Nachdruck: „Ich bin zuversichtlich, dass es gelingen wird.“

Marion Neumann

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