Das »Pieschener Doppeljubiläum«

Stadtteilfest st. pieschen

Veröffentlicht am Mittwoch, 17. Mai 2017

Pieschen feiert das 725. Jahr seines Bestehens. Vom 26. bis 28. Mai 2017 findet das Bürgerfest st. pieschen auf der Oschatzer Straße statt. Klaus Brendler hat einen Abriss über die Geschichte des Ortsamtsbereiches Pieschen erstellt, der einen Einblick in die aufregende Geschichte des Dresdner Stadtteils gibt.

Ansichtskarte von Pieschen mit Schule, Rathaus, Kirche und den Eschebach‘schen Werken um 1900. Archiv: Rolf Wilhelm (Dresden-Weißig)

Ansichtskarte von Pieschen mit Schule, Rathaus, Kirche und den Eschebach‘schen Werken um 1900.

Foto: Archiv Rolf Wilhelm (Dresden-Weißig)

Schon Anfang 2017 machte die Tages­presse auf das Doppel­ju­biläum aufmerksam, welches dieses Jahr im Dresdner Nordwesten ansteht. Sie schrieb: »Die Geschichte des Ortsamtes Pieschen ist alt und wechselhaft. In diesem Jahr wird 725. Geburtstag gefeiert.« Des Weiteren »jubiliert« das tradi­tio­nelle Stadt­teilfest des Vereins »St. Pieschen«, das nun auch schon zum 25. Mal statt­findet.
Selbst auf die Gefahr hin, mit Nachfol­gendem »Wasser in die Elbe« zu tragen, seien trotzdem einige Worte zum Doppel­ju­biläum gestattet. Natürlich kann nicht das Ortsamt Pieschen auf 725 Jahre seines Bestehens zurück blicken, sondern der 1292 erstmals urkundlich erwähnte Stadtteil Pieschen. In der Erinnerung sollte noch sein, dass nach der sogenannten Wieder­ver­ei­nigung beider deutscher Staaten die Verwal­tungs­struktur der Stadt Dresden geändert und an die der Bundes­re­publik Deutschland angepasst wurde. Demzu­folge gliedert die Stadt seit 1991 ihre Stadt­teile nicht mehr in fünf Stadt­be­zirke, sondern in zehn Ortsämter und neun Ortschaften. Aus dem ehema­ligen Stadt­bezirk Dresden-Nord wurde so der Ortsamts­be­reich Pieschen, der die Stadt­teile Mickten, Übigau, Kaditz, Trachau, Trachen­berge und Pieschen sowie den westlichen Teil der Leipziger Vorstadt erfasst. Das Ortsamt Pieschen kann also statt der 725 Jahre »nur« auf eine, wenn auch ereig­nis­reiche und wechsel­volle, Geschichte von 26 Jahren verweisen.

Zur Geschichte des Stadt­teils Pieschen, der in diesem Jahr seinen 725. Geburtstag feiern kann, sind im Stadt­archiv und Haupt­staats­archiv Dresden entspre­chende Akten aufbe­wahrt und können einge­sehen werden. Darüber hinaus gibt es aber auch heimat­kund­liche Literatur. So beispiels­weise »Der Stadt­bezirk Nord der Stadt Dresden / Aus der Geschichte seiner Stadt­teile«, heraus­ge­geben vom Rat des Stadt­be­zirkes Nord der Stadt Dresden, Abteilung Kultur, dessen erste Auflage 1983 erschien. Verfasst von einem Autoren­kol­lektiv lag die Redaktion in den Händen des Histo­rikers und Archivars Dr. Gerhard Schmidt (1920–2001), der in Kaditz seinen Wohnsitz hatte.

Der Pieschener Oberlehrer Max Klöß (1871–1957) veröf­fent­lichte 1934 unter dem Titel »Streifzüge durch Pieschen« eine Broschüre zur Ortsge­schichte. Über die Ersterwähnung Pie­schens schreibt er, dass die älteste Urkunde aus dem Jahre 1292 stammt, eine zweite von 1298. Auf beiden Urkunden habe ein Johannes de Pieschen als Zeuge unter­schrieben. Und an anderer Stelle: »Das Dorf Pieschen genoß in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhun­derts bei den Stadt­leuten kein beson­deres Ansehen, weil es nach ihrer Meinung nicht des Rühmens­werten bot. Denn die Zeiten waren vergessen, da die Dresdner ‚nach Pieschen zu Weine gingen‘ und sich an der ›Pieschner Auslese‹ gütlich getan hatten. Die stolzen Städter verspürten keine Lust, dem öden ›Kuhdorfe‹ mit seinen kaser­nen­ähn­lichen Arbei­ter­häusern einen Sonntags­besuch abzustatten, und Fremde blieben erst recht aus, weil selten einmal ein gedruckter Wander­führer auf diesen Vorort Dresdens Bezug nahm. Nur dann gab es die Rede von Pieschen, wenn im Polizei­be­richt gemeldet wurde, dass die Elbe im ›Pieschener Winkel‹ einen Lebens­müden an Land gespült hätte.«
Wer über die Geschichte des Stadt­teils Pieschen aller­dings viel mehr wissen möchte, dem sei »Die Geschichte des Dresdner Vorortes Pieschen« von Heide­marie und Heinz Glodschei aus dem Jahre 2008 »wärmstens« empfohlen.

Klaus Brendler

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