Globus‹ schöne neue Einkaufswelt

Baupläne für den Alten Leipziger Bahnhof liegen aus

Veröffentlicht am Mittwoch, 21. November 2012

Die Baupläne für das Gelände des »Alten Leipziger Bahnhofs« liegen aus. Die Handelskette Globus wollte ein auf 12.000 Quadratmeter Verkaufsfläche geplantes Projekt realisieren, mittlerweile wurde die Fläche auf gut 8.000 Quadratmeter reduziert. Kernstück des Neubaus soll ein riesiger eingeschossiger Einkaufsmarkt und ein Parkplatz sein. Daneben sollen auch historische Gebäude restauriert werden. Allerdings gibt es Widerstand und Bedenken...

Das Großprojekt Globus wird von den in Pieschen und in der Neustadt ansässigen Händlern und Gewerbetreibenden als vitale Bedrohung wahrgenommen. Visualisierung: Stadtplanung

Das Großprojekt Globus wird von den in Pieschen und in der Neustadt ansässigen Händlern und Gewerbetreibenden als vitale Bedrohung wahrgenommen.

Foto: Stadtplanung

Neustadt. Bürger­ver­sammlung im Ortsamt Dresden-Neustadt: Thema: Die Baupläne der Handels­kette Globus auf dem Gelände des »Alten Leipziger Bahnhofs«. Rund 40 Besucher waren erschienen, denn die Stadt hatte es versäumt, die Ankün­digung tages­ak­tuell heraus­ge­geben.

In seiner Eigen­schaft als Vertreter der Stadt­planung beschrieb Matthias Flörke-Kempe das Bauvor­haben als ein ursprünglich mit 12.000 Quadrat­meter Verkaufs­fläche geplantes Projekt. Wie sich später herau­stellte, hat der bemühte Investor die Verkaufs­fläche auf inzwi­schen »nur« 8.800 Quadrat­meter reduziert.

Kernstück des Objektes ist der Neubau eines riesigen einge­schos­sigen SB-Marktes mit 16.000 Quadrat­metern Nutzfläche und 300 PKW-Stell­plätzen allein auf der zweiten Ebene des Gebäudes. Vorn, zwischen den histo­ri­schen Bahnschuppen des Alten Leipziger Bahnhofs, sollen auf freier Fläche weitere 600 Autos Platz finden. Damit nicht genug, werden an der nordwest­lichen Ecke des Geländes Flächen für weitere 200 Fahrzeuge bereit gestellt.

Nicht nur die histo­ri­schen Bahnschuppen würden restau­riert, so das Versprechen, sondern auch das Bahnbe­triebs­ge­bäude sowie das 1857 errichtete Empfangs­ge­bäude. In letzterem soll ein dem Eisenbahn- und Wirtschafts­pionier Friedrich List gewid­metes Museum sein Domizil finden – eine Verbeugung vor den vielen Freunden der Erwei­terung des Dresdner Verkehrs­mu­seums.

Schluss­endlich sollen die Bahnbögen entlang der Hansa- und Großen­hainer Straße für Klein­ge­werbe und Gastro­nomie sowie Geschäfte und Proben­räume geöffnet werden. Projekt­ent­wickler Dietmar Kretschmar schwärmte gar davon, wie die Neustädter diese Zone beleben würden ähnlich den Hacke­schen Höfen in Berlin-Mitte.

Pikant ist, dass Kretschmar bis vor zwei Jahren Frakti­ons­ge­schäfts­führer der CDU in Dresden war, der Partei also, mit deren Stimmen­mehrheit der Aufstel­lungs­be­schluss im Stadtrat durch­ge­setzt worden ist. Übrigens auch gegen Stimmen aus den eigenen Reihen und dem Wirtschaftsrat der CDU.

Diese schöne Welt wird die Innen­stadt aufwerten, so das Mantra der anwesenden Globus-Geschäfts­führer. Das Famili­en­un­ter­nehmen aus dem Saarland stellt sich als Arbeit­geber mit sozialen und quali­ta­tiven Ambitionen dar. Dresden würde von etwa 400 Neuein­stel­lungen profi­tieren. Aller­dings müssten etwa 16.000 Kunden und 55 Millionen Euro Umsatz generiert werden, um rentabel zu arbeiten. Die einhellige Ablehnung aus dem Publikum entzündete sich vor allem an dem genannten 55 Millionen Euro Umsatz. Der benach­barte Einzel­handel in Pieschen und der Neustadt würde geschädigt, viele Händler müssten aufgeben, so der Tenor im Publikum.

Im Hinblick auf das zu erwar­tende Verkehrs­auf­kommen gehen die Planer von einer Mehrbe­lastung von lediglich 5 Prozent aus, eine Aussage, die angesichts der angestrebten Kunden­ströme für Heiterkeit im Auditorium sorgte.

Bis Ende November besteht nun die Gelegenheit, die Pläne im Rathaus anzuschauen und Wider­spruch einzu­legen. Erst 2013 wird daraus ein vorha­ben­be­zo­gener Bebau­ungsplan erstellt und im Stadtrat über das Vorhaben entschieden.

Peter Bäumler

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