Grabstätten auf den Kaditzer Friedhöfen

Begräbnisanlage für französische Soldaten

Veröffentlicht am Samstag, 19. November 2016

Gedenkstätte für verstorbene französische Kriegsgefangene aus dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 befindet sich in Dresden-Kaditz.

Französische Gefangene beim Bau ihres Barackenlagers zwischen Übigau und Kaditz an der Elbe bei Dresden. – nach einer Skizze von Friedrich August Reinhardt (1831–1915). Repro: Autor

Französische Gefangene beim Bau ihres Barackenlagers zwischen Übigau und Kaditz an der Elbe bei Dresden – nach einer Skizze von Friedrich August Reinhardt (1831–1915).

Foto: Klaus Brendler

»Die Ereig­nisse des Deutsch-Franzö­si­schen Krieges 1870/71 berührten Dresden zwar nicht direkt, aber bereits nach den Siegen der deutschen Armeen im August und der ersten Septem­ber­hälfte des Jahres 1870 ergab sich die Notwen­digkeit, plötzlich Zehntau­sende gefangen genommene franzö­sische Soldaten im Hinterland unter­bringen zu müssen. So wurde auch die Haupt- und Residenz­stadt Dresden zum Endpunkt solcher Trans­porte. Der erste traf am 16. September 1870 ein. Den Ankom­menden dienten zunächst die damals noch östlich der Haupt­straße stehenden Kasernen der Dresdner Garnison als Unter­kunft. Nachfol­gende Trans­porte mit Tausenden Gefan­genen wurden in dem […] leicht zu überwa­chenden Elbbogen zwischen Kaditz und Übigau auf der Flur des letzt­ge­nannten Dorfes in einem Baracken­lager unter­ge­bracht.« (Gedenk­stein auf Franzo­sen­friedhof, Bernd Hünlich, DIE UNION, November 1983).

Die völlig unzurei­chenden hygie­ni­schen Bedin­gungen im Übigauer Baracken­lager sowie der strenge Winter 1870/71 und nicht zuletzt das Elbehoch­wasser in der zweiten Febru­ar­hälfte 1871 forderten den Tod von insgesamt 116 franzö­si­schen Kriegs­ge­fan­genen. Auf dem 1862 angelegten Kaditzer Friedhof an der Serko­witzer Straße wurden sie beige­setzt. Seitdem wird dieser Friedhof von den Einhei­mi­schen auch »Franzo­sen­friedhof« genannt.

Der 1872 durch eine franzö­sische Stiftung errichtete und 1999 auf Initiative des ehren­amt­lichen Denkmal­pflegers Dr. Manfred Dreßler (1931–2013) rekon­stru­ierte Gedenk­stein trägt in franzö­si­scher Sprache eine Inschrift. Ins Deutsche übersetzt lautet sie: Zum Gedächtnis der 1870/71 verstor­benen franzö­si­schen Soldaten. Errichtet von ihren Lands­leuten. R.I.P. (Requiescat in pace – Ruhe in Frieden). Seit dem Jahre 2000 ist die Begräb­nis­stätte der franzö­si­schen Soldaten als „Militä­rische Gedenk­stätte“ ausge­wiesen.

»Auch angesichts der Millionen Toten in den beiden Weltkriegen des letzten Jahrhun­derts«, so der Dresdner Kunst­for­scher Bernd Hünlich (1943–1992) in seinem oben angeführten Beitrag aus dem Jahre 1983, »sollte uns die Sprache des Gedenk­steins nicht unberührt lassen.« Eine Mahnung, die heute aktueller denn je ist!

Anmerkung: Auf dem St. Pauli-Friedhof hatten ebenfalls franzö­sische Soldaten ihre letzte Ruhestatt gefunden. Sie alle, 427 an der Zahl, waren vom 30. September 1870 bis zum 10. Juli 1871 in den drei Dresdner Reser­ve­la­za­retten und im Garni­sons­la­zarett verstorben.

Klaus Brendler

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