GROMA – von der Strick- zur Schreibmaschine

Schätze in den Technischen Sammlungen

Veröffentlicht am Dienstag, 8. November 2016

Seit 1872 stellte die Maschinenfabrik G. F. Grosser in Markersdorf Strickmaschinen her. 1924 begann die Produktion von Schreibmaschinen der Marke GROMA.

GROMA 5s – eine in den 1930er Jahren hergestellte Breitwagenmaschine. Foto: Simmert

GROMA 5s – eine in den 1930er Jahren hergestellte Breitwagenmaschine.

Foto: Simmert

Der erfahrene Ingenieur Max Pfau konstruierte die Standard-Schreibmaschine „GROMA“, die von der Maschinenfabrik G. F. Grosser in Markersdorf (Chemnitztal) im Jahr 1924 auf den Markt gebracht wurde. Die Bezeichnung „GROMA“ war aus den Anfangsbuchstaben des Fabrikanten Grosser und des Betriebssitzes Markersdorf abgeleitet. Das Unternehmen war im Jahr 1872 gegründet worden und stellte Strickmaschinen her, die Weltruf erlangten.

Die GROMA war eine Typenhebelmaschine aus Stahl mit Vorderaufschlag, einfacher Umschaltung und einer vierreihigen Tastatur mit 45 Tasten und 90 Zeichen. Im Jahr 1934 erwarb die Fa. G. F. Grosser die Herstellungsrechte einer von L. F. Pascher konstruierten Kleinschreibmaschine. 1938 begann die Fertigung. Pascher, inzwischen Chefkonstrukteur bei Grosser, verwendete das Leichtmetall Elektron und ein Kunststoffgehäuse. Von 1939 bis 1945 wurden etwa 50.000 Exemplare in den Modellen T bzw. N gebaut, die als Reiseschreibmaschine sehr begehrt waren. Nach dem 2. Weltkrieg kam die Produktion nach der totalen Demontage durch die sowjetische Siegermacht nur sehr langsam wieder in Gang. Ab 1950 wurden im nun „VEB Mechanik GROMA Markersdorf/Chemnitztal“ genannten Betrieb nur noch Schreibmaschinen hergestellt. Im gleichen Jahr lief die Fertigung der GROMA aus.

Jetzt konzentrierte man sich auf Kleinstschreibmaschinen, ab 1951 wurde die „Gromina“ und ab 1954 das überarbeitete Modell „Kolibri“ hergestellt – mit modernem Spritzgussgehäuse und zum Teil sehr farbenfreudiger Lackierung.

Für Reisen und fürs Büro

Klein und leicht waren sie ideale Reisebegleiter. Das Großversandhaus Neckermann (BRD) verkaufte sie unter der Bezeichnung „Brillant Junior“. 90 Prozent der Produktion (mehr als 150.000 Stück) ging in 70 Länder der Welt. Ab 1957 wurde die Groma „Combina“, eine zuverlässige, stabile kleine Büromaschine, teils mit farbiger Tastatur bzw. Bedienelementen, produziert. Sie erhielt den iF Product Design Award.

Die Combina kam als „Brillant Super“ bei Neckermann in den Verkauf. 1962 lief die Produktion von Groma-Schreibmaschinen ganz aus, man stellte nur noch Buchungs- und Saldiermaschinen her. GROMA kam 1969 zum „VEB Buchungsmaschinenwerk Karl-Marx-Stadt“ (BWK) und später zum „Kombinat Zentronik“. Aufgrund eines Angebotes der Fa. Olivetti übernahm das BWK als Lizenzproduktion die Herstellung der elektro-mechanischen Schreibmaschine „Lettera 36“, die auch bei GROMA in Markersdorf bis 1985 mit 370.000 Stück produziert wurde. Nur ca. 5.000 Stück davon blieben in der DDR. Nachfolger war die elektro-mechanischen Schreibmaschine „Erika“ S 2020 mit 545.000 Stück bis 1990. Hauptabnehmer war die BRD.

Nach 1990 wurde nur die Computerproduktion von der neu gegründeten „Ascota AG Chemnitz“ fortgesetzt, 1993 kam es zum Konkurs und zur Betriebsschließung in Markersdorf.

Ekkehard Simmert

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