Kanonenkugeln in Palitzschs Bauernhof

Prohlis während der Befreiungskriege 1813

Veröffentlicht am Sonntag, 5. Juni 2016

Welche Geschichte sich hinter dem Kartoffelanbau in Dresden verbirgt, erfahren Besucher im Palitzsch-Museum in Dresden-Prohlis. In loser Folge stellt die »Prohliser Zeitung« unter dem Motto »Dinge und ihre Geschichte(n)« Stücke aus der Museums-Sammlung vor, um Lust auf einen Besuch zu machen.

Die Drei Kanonenkugeln sind besondere Fundstücke aus Palitzschs Bauernhof. Sie erinnern an die Wirren der Befreiungskriege. Foto: RF

Die Drei Kanonenkugeln sind besondere Fundstücke aus Palitzschs Bauernhof. Sie erinnern an die Wirren der Befreiungskriege.

Foto: RF

Wer das Palitzsch-Museum besucht, stößt bei seinem Rundhang auf drei besondere Objekte. In einer Vitrine sind Kanonenkugeln ausgestellt. Besaß der Johann Georg Palitzsch (1723–1788) etwa eine Kanone zur Verteidigung seines Gehöftes? Beschäftigte sich der berühmte Gelehrte etwa auch mit der Erforschung der Ballistik von Geschossen? Beides ist nicht der Fall. Die Geschichte ist eine ganz andere.

In loser Folge stellt die Prohliser Zeitung unter dem Motto Dinge und ihre Geschichte(n) Stücke aus der Sammlung vor. Wir möchten Ihnen damit Lust auf das Museum machen.

Im Zuge der Befreiungskriege gegen Napoleon Bonaparte im 19. Jahrhundert kam es am 26./27. August 1813 zur Schlacht um Dresden. Das Hauptheer der Verbündeten gegen Napoleon Preußen, Russland und Österreich überschritt am 22. August die böhmische Grenze. Das Gebiet der Kämpfe lag in den südlichen Vororten, wozu auch Prohlis zählt. Auch später wurden umliegende Dörfer zum Schauplatz von Kriegshandlungen. Die Franzosen verteidigten die Stadt, Auseinandersetzungen spielten sich vor ihren Toren ab. Dort war man von allen Härten militärischer Auseinandersetzungen betroffen. Über den katastrophalen Zustand fliehender Franzosen 1813 und die schlimmen Kriegsgräuel berichtet u. a. ein Tagebuchauszug des Prohliser Bauern J. G. Christmann. Das Original-Tagebuch ist auch im Museum ausgestellt.

Außerdem wurden Höfe geplündert bzw. bei Gefechten beschädigt oder zerstört. Auch der Umbau des ursprünglichen Palitzsch-Hofes durch einen späteren Besitzer geht vermutlich auf Beschädigungen des Ursprungsgebäudes in diesem Krieg zurück. Die Schlacht um Dresden gewann Napoleon. Doch es sollte einer seiner letzten Siege sein. Wenig später erlitt er bei der Völkerschlacht bei Leipzig (16. bis 19. Oktober 1813) eine verheerende Niederlage.

Ob die drei Kanonenkugeln direkt mit Ziel „Palitzsch-Hof“ abgefeuert wurden und dort in den Mauern stecken blieben, ist unklar. Auf alle Fälle wurden sie in seinem Hof gefunden und später zum Gedenken an die Ereignisse im Dorf in die Mauer der Scheune gemauert. Und sie sind auch in weiterer Hinsicht bedeutsam. Neben einem Stein, der mit einer Inschrift „Den 27. Aug. 1813“ ebenfalls den Befreiungskriegswirren gedenkt, sind sie die einzigen Ausstellungsstücke, die direkt aus dem ursprünglichen Palitzsch-Hof stammen. Der frühere Leiter des Palitzschmuseums Siegfried Koge konnte sie retten, als Ende der 70er Jahr das Gehöft abgerissen wurde. Es musste Platz machen, als der Aufbau des Neubaugebiets begann.

Ronny Feigenspan

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Kontakt & weitere Infos

Palitzsch-Museum
Gamigstraße 24
Telefon: 0351 7967249
www.museen-dresden.de

Öffnungszeiten

Mittwoch bis Sonntag: 13–18 Uhr