Nachtcafé Dresden seit 1. November wieder offen

U. a.. öffnete die St. Petrus-Gemeinde ihr Nachtcafé

Veröffentlicht am Dienstag, 10. November 2015

Mit den kälteren Nächten startet die mittlerweile 21. Nachtcafé-Saison in Dresden. Für Menschen, die kein Obdach haben, öffnen sich seit 1. November sieben Dresdner Kirchgemeinden ihre Türen.

Michael Laske, ehrenamtlicher Organisator der Pfarrgemeinde Heilige Familie, Helferin Larissa Pfitzner und Steffen Kühn (v. l.). Foto: Trache

Michael Laske, ehrenamtlicher Organisator der Pfarrgemeinde Heilige Familie, Helferin Larissa Pfitzner und Steffen Kühn (v. l.).

Foto: Trache

Der Herbst hält Einzug. Die Nächte werden empfindlich kalt. Bei Kerzen­schein und warmer Heizung machen es sich viele Menschen abends zu Hause gemütlich. Doch nicht allen unter uns ist dies vergönnt. Auch in unserer Stadt gibt es Menschen, die kein Obdach haben. Für sie öffnen seit dem 1. November 2015 bereits zum 21. Mal sieben Dresdner Kirch­ge­meinden ihre Türen. Bis zum 31. März 2016 ist für jede Nacht pro Woche eine andere Gemeinde zuständig.

Die Idee des Nacht­cafés entstand in einer Studen­ten­gruppe der Evange­li­schen Fachhoch­schule für Soziales. Was zunächst in der Dreikö­nigs­kirche begann, hat sich mit der Zeit über das Stadt­gebiet verbreitet. Seit November 2002 ist die Kirch­ge­meinde St. Petrus an der Dohnaer Straße 53 mit dabei. In diesem Jahr sind jeden Sonntag, 20 Uhr, bis Montag, 7 Uhr, sind Bedürftige im Gemein­de­zentrum willkommen. Einlass wird bis 23 Uhr gewährt. Bis zu 25 Schlaf­plätze stehen zur Verfügung. Für einen Euro bekommen die Gäste neben einem warmen Schlaf­platz mit Isomatte und Decken etwas zu essen und die Möglichkeit, über Nacht Sachen zu waschen, zu duschen oder einfach mit anderen Menschen zu reden. 30 bis 35 Freiwillige der Gemeinde und den benach­barten evange­li­schen Gemeinden engagieren sich jedes Jahr beim Nachtcafé. Neben einem festan­ge­stellten Mitar­beiter der Diakonie kümmern sich pro Schicht zwei Ehren­amt­liche um die Obdach­losen.

Abends heißt es zunächst Kaffee kochen und Kuchen aufschneiden. Diesen erhält die Gemeinde von der Bäckerei Wippler. Das warme Essen kommt aus der Küche des Diako­nissen-Kranken­hauses. »Einige Gäste kennen wir bereits seit vielen Jahren«, erzählt Wolfgang Bayer, der seit 1999 ehren­amtlich das Nachtcafé betreut. »Einige kommen immer wieder bei uns vorbei, um einfach mal zu reden.« Während früher einige die ganze Nacht bei Gesprächen soziale Kontakte suchten, legen sich die meisten heute gleich nach dem Abend­essen auf ihre Isomatte und schlafen bis zum nächsten Morgen. Wenn sie aufstehen, ist der Frühstücks­tisch, dank der ehren­amt­lichen Helfer, bereits gedeckt.

Wenn die Gäste das Gemein­de­zentrum verlassen haben, ist für die Freiwil­ligen aufräumen angesagt. »Wir versuchen in Gesprächen unsere Gäste zu motivieren, sich beim Sozialamt und der Wohnungs­lo­sen­hilfe der Diakonie Hilfe zu holen«, so Wolfgang Bayer. »Man wünscht sich, dass einige den Absprung schaffen.« Von einzelnen kleinen Erfolgs­ge­schichten kann er berichten. Von einem, der eine eigene Unter­kunft erhalten hat. Von einem anderen, der Unter­stützung bekam und Ansprüche aus der Renten­ver­si­cherung geltend machen konnte, oder von einer Frau, die viele Jahre ins Nachtcafé kam und irgendwann doch bei ihrer Tochter unter­ge­kommen ist. »Unsere Gäste sind sehr dankbar, besonders am Ende der Saison bringen sie das auch zum Ausdruck.« Ein dankbares »Es hat gut geschmeckt« motiviert die ehren­amt­lichen Helfer. Unter­stützt werden sie in der St. Petrus-Gemeinde zudem von einer pensio­nierten Ärztin. Sie kommt vorbei, wenn sie gerufen wird, und betreut die Gäste bei Bedarf medizi­nisch.

Wer die Arbeit der Nacht­cafés unter­stützen möchte, kann auf ein entspre­chendes Konto der Diakonie Stadt­mission spenden.

Die Nachtcafés 2015/16:

Claudia Trache

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