Die Blindenschreibmaschine »Erika-Picht«

Schätze in den Technischen Sammlungen

Veröffentlicht am Samstag, 11. März 2017

Ein besonderes Produkt aus der Palette der »Erika-Schreibmaschinen« vom VEB Schreibmaschinenwerk Dresden war die Blindenpunktschrift-Bogenmaschine «Erika-Picht». Heute hat sie ihren Platz im Museum, in den Technischen Sammlungen.

Blindenschriftbogenmaschine »Erika Picht«, ein Spitzenprodukt des VEB Schreibmaschinenwerk Dresden aus dem Jahr 1989. Foto: Simmert

Blindenschriftbogenmaschine »Erika Picht«, ein Spitzenprodukt des VEB Schreibmaschinenwerk Dresden aus dem Jahr 1989.

Foto: Simmert

Ein beson­deres Produkt aus der Palette der »Erika-Schreib­ma­schinen« vom VEB Schreib­ma­schi­nenwerk Dresden (SWD) war die Blinden­punkt­schrift-Bogen­ma­schine »Erika-Picht«. Ihre Funkti­ons­weise ist auf dem von Oskar Picht bereits 1901 entwi­ckelten Grund­modell aufgebaut. Picht arbeitete in der Blinden­an­stalt Steglitz bei Berlin als Blinden­lehrer. Um seinen blinden Schülern das Schreiben zu erleichtern, entwi­ckelte er ein Gerät, das auf geniale Weise technische Elemente von Schreib­ma­schinen für Sehende und für Blinde mitein­ander kombi­nierte, zuver­lässig und praktisch unver­wüstlich war.

Seine Grundform, nach dem System von Louis Braille, besteht aus sechs Tasten, die mit Zeige-, Mittel- und Ringfinger beider Hände angeschlagen werden. Die Klaviatur ist so einge­richtet, dass sie unter Zuhil­fe­nahme des Handballens mit der rechten Hand allein bedient werden kann, während die linke Hand für das Ablesen des Manuskripts bzw. für das Nachprüfen des Geschrie­benen frei bleibt.

Durch gemein­sames Anschlagen mehrerer Tasten erhält man auf einen Druck einen Buchstaben oder ein Sigel der Blinden­kurz­schrift. Das für die Blinden­schrift besonders gefer­tigte zähe und starke Papier wird um eine Holzwalze aufge­rollt, die es zum Festhalten in einen Spalt bzw. unter einer Klappe aufnimmt. Die Punkt­schreib­ma­schine besitzt die üblichen Einrich­tungen wie selbst­ständige Fortführung des Papiers, Zeilen­gradheit, Regulierung der Schrifthöhe, sofortige Lesbarkeit der Schrift, Zeilen­schluss­glocke, Rückgang­ein­richtung sowie Ausschaltung und Freilauf des Papier­wagens.

Für das In- und Ausland

Im SWD begann man 1979 mit der Produktion der Blinden­schreib­ma­schine »Erika-Picht« E 501 bis E 505. Der inlän­dische Bedarf konnte so abgedeckt werden. Sie wurde aber auch ein Export­schlager – von 1980 bis 1990 gingen mehr als 20.000 Maschinen ins Ausland.

1990 erfolgte der Start der neuen Modell­reihe Erika-Picht E501-521. Diese wies zahlreiche Verbes­se­rungen auf: Zweihand­be­dienung, Links- bzw. Rechts­hand­be­dienung, 8-Punkt-Compu­ter­schrift, Zeilen­schaltung 10 oder 13 mm.

Nach der Wende erfolgte 1990 die Priva­ti­sierung des Werkes unter dem neuen Namen »Robotron Erika GmbH«. Diese ging aber zwei Jahre später in Konkurs. Die Produktion der Blinden­schreib­ma­schine wurde dann von der 1992 gegrün­deten »Multi-Tech gemein­nützige GmbH« in Dresden-Übigau fortge­setzt. Im Jahr 2010 ging auch diese Firma in Konkurs und wurde ein Jahr später aufgelöst.

Die Erika-Picht wird heute von der »Blista-Brailletec gGmbH« in Marburg unter dem Namen »Tatra­point« in den Ausfüh­rungen adaptive bzw. Standard produ­ziert. Bis heute hält die Nachfrage nach der Maschine an, und damit ist sie wohl unbestritten die populärste europäische Maschine dieser Art überhaupt.

Ekkehard Simmert

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