Weltumsegler aus Plauen

Der umgesetzte Traum von einer Auszeit mit Weltreise

Veröffentlicht am Donnerstag, 19. Januar 2012

Gerhard und Sabine Schmidt aus Dresden-Plauen haben sich diesen Traum im Alter von 45 Jahren erfüllt. Das Ehepaar unternahm eine mehr als dreijährige Reise um die Welt an Bord ihrer Segelyacht, besuchten dabei insgesamt 38 Länder und legten über 35.000 Seemeilen zurück.

Das Ehepaar Schmidt aus Dresden-Plauen machte bei der Weltumsegelung mit dem Schiff "SUMMERTIME" auch vor Aruba Station. Foto: Archiv

Das Ehepaar Schmidt aus Dresden-Plauen machte bei der Weltumsegelung mit dem Schiff "SUMMERTIME" auch vor Aruba Station.

Foto: Archiv

Plauen. Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, dem Alltag zu entfliehen? Gerhard und Sabine Schmidt aus Dresden-Plauen haben sich diesen Traum im Alter von 45 Jahren erfüllt. Das Ehepaar unternahm eine mehr als dreijährige Reise um die Welt an Bord ihrer Segelyacht „SUMMERTIME“. Dabei besuchten sie von März 2000 bis Juli 2003 insgesamt 38 Länder und legten rund 35.300 Seemeilen zurück. Im Buch „Auszeit – Traum und Realität einer Weltumsegelung“ hat Gerhard Schmidt die Erlebnisse der Weltumsegelung umfassend geschildert. Nach der Weltreise gründete Gerhard Schmidt die Sportbootschule Sachsen, arbeitet zudem als Sachverständiger für Immobilienbewertung und leitet ehrenamtlich den Verband der Selbständigen Sächsische Schweiz-Osterzgebirge e. V. – Gewerbeverein Pirna. Ausgleich findet Gerhard Schmidt unter anderem auch in der Musik. So spielt er im Kirchenorchester Bratsche.

Die Faszination der großen weiten Welt beschäftigte Gerhard Schmidt bereits seit früher Jugend. 1954 in der Karl-May-Stadt Radebeul  geboren, weckten unter anderem die Bücher des Schriftstellers das Fernweh.

Die Seglerlaufbahn startete mit einem segelnden Faltboot an den Berliner Seen und dem Sportbootführerschein. Die engen Grenzen in der DDR waren mit dem zunehmenden und unbeugsamen  Freiheitsdrang unvereinbar. Gerhard Schmidt musste bereits mit 18 Jahren seinen Studienwunsch begraben, weil er nicht bereit war, einen von Studierwilligen in der DDR geforderten längeren Dienst in der Nationalen Volksarmee, als die gesetzlich vorgeschriebenen 18 Monate, zu leisten. Nach einem Ausreiseantrag der Eheleute 1984 kam es sogar zu einem mehrjährigen Berufsverbot für Frau Schmidt in ihrem Lehrerberuf. Am 11. August 1989 hieß es dann von Seiten der DDR-Machthaber: „Sie haben das Gebiet der DDR innerhalb der nächsten 24 Stunden zu verlassen.“ In der Folge siedelten sie kurz vor der Wende 1989 für zwei Jahre nach Hamburg über, bevor sie 1991 nach Plauen zurückkehrten. 1990 hatte Gerhard Schmidt in Hamburg die Gelegenheit genutzt, den „Sportbootführerschein See“ zu machen. Weitere Sportbootführerscheine folgten, u.a. der „Sporthochsee-Schifferschein“. Und nach inzwischen zahlreichen Segeltörns in Europa verkauften die Eheleute 1999 „alles“ – unter anderem Haus, Motorrad, Auto, eigene Firma und setzten mit der von diesem Geld gekauften französischen GFK-Serienyacht „SUMMERTIME“ die Segel.

Die „SUMMERTIME“ ist zwar seit 2006 verkauft und das Ehepaar längst wieder „sesshaft“ geworden. Die „Apollonia“, ein im Jahr 2003 auf einer französischen Werft gebautes Schiff, hat sie seit ein paar Wochen ersetzt. Mit diesem Schiff geht es vom 24. März bis 29. Dezember wieder auf eine Weltumsegelung. Diesmal teilt sich Gerhard Schmidt mit Segelfreunden in die einzelnen Fahrtetappen. Und sein Hab und Gut musste er als erfolgreicher Unternehmer dafür auch nicht mehr verkaufen. Auf einigen Strecken ist sogar noch Platz für Mitreisende, so Schmidt. Doch eine Tour lässt er sich nicht nehmen. Die Strecke nach Neuseeland fährt er auf jeden Fall selbst. Dort, in der Stadt Invercargil, wohnt inzwischen eine seiner beiden Töchter mit den Enkeln William und Charlotte. Den Besuch dort hat er bereits fest geplant.

Wer Gerhard Schmidt persönlich erleben will, hat dazu unter anderem am 20. Januar, 18.30 Uhr, im Pirnaer Bootshaus „Zur Dolle“, An der Elbe 11, Gelegenheit. In einer Multivisionsshow wird er über seine Weltumsegelung berichten.

Steffen Dietrich

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