Wie der „Wilde Mann“ zu seinem Namen kam

Veröffentlicht am Samstag, 25. Mai 2013

Viele Teilnehmer der Stadtteilführung »Vom Roten Ochsen zum Wilden Mann«, die am 10. April dieses Jahres am ehemaligen Gasthof »Wilder Mann« begann und am selbigen auch endete, wollten wissen, wer denn der »wilde Mann« war, dem ein ganzes Stadtviertel seinen Namen verdankt...

Der Wilde Mann in einer historischen Ansicht. Ging es damals insgesamt noch einigermaßen betulich zu, hatten doch mit der Straßenbahn moderne Zeiten Einzug gehalten. Repro: Archiv Brendler

Der Wilde Mann in einer historischen Ansicht. Ging es damals insgesamt noch einigermaßen betulich zu, hatten doch mit der Straßenbahn moderne Zeiten Einzug gehalten.

Foto: Archiv Brendler

Viele Teilnehmer der Stadtteilführung „Vom Roten Ochsen zum Wilden Mann“, die am 10. April dieses Jahres am ehemaligen Gasthof „Wilder Mann“ begann und am selbigen auch endete, wollten wissen, wer denn der „wilde Mann“ war, dem ein ganzes Stadtviertel seinen Namen verdankt.

Die Sage, die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts über den Namen allgemein verbreitet ist, „scheint nichts weiter zu sein, als die Geschäftstaktik des Eigentümers des ehemaligen Gasthofs ‚Wilder Mann‘ Gustav Emil Weber (1852–1932), der sich dadurch eine größere Anziehungskraft für seinen Gastwirtsbetrieb versprach.“

Im Gastraum hatte er ein Ölgemälde des Kunstmalers Schmiegelow anbringen lassen, das eine Kampfszene darstellt, die im Walde bei Trachenberge angesiedelt ist. „Ein ritterlicher Herr, der von Wegelagerern überfallen ist, wird durch die bärtige Gestalt eines wilden Mannes befreit.“ Offensichtlich besteht auch ein Zusammenhang zwischen der „Werbestrategie“ Webers und einer im „Dresdner Anzeiger“ des Jahrganges 1895 erstmals veröffentlichten „Sage vom Wilden Mann“. Sie handelt im Dreißigjährigen Krieg und berichtet von der Befreiung des sächsischen Kurfürsten Johann Georg (1585–1656) aus den Händen kroatischer Söldner durch die „bärtige Gestalt“ eines wilden Mannes. Handlungsort ist der Wald an den Trachenbergen. In der Sage heißt es abschließend:

Da hat denn der Fürst befohlen, zu bauen Gehöft und Haus,
An selbiger Stelle wo ihn der Riese gehauen heraus,
Dem soll es gehören zum Dank für das, was er getan,
Und soll geheißen werden das Haus „Zum wilden Mann“.

Der Name „Wilder Mann“ ist aber auch urkundlich belegt. Der in der Gunst August des Starken (1670–1733) stehende Lüder Hildebrand, bis zu seinem Tode 1734 Eigentümer des zweihundert Jahre später abgerissenen Weingutes an der Döbelner Straße, hatte am Ausschank ein „Gastzeichen“ mit der Abbildung eines wilden Mann befestigt. Das findet zumindest in einer am 7. Mai 1710 ausgestellten Urkunde Erwähnung. Da Hildebrand aus Niedersachsen stammte, ist es durchaus möglich, dass ihm als Vorbild dafür die Wappenfigur des „Wildermanntalers“ diente. Das vom 16. bis 19. Jahrhundert in Braunschweig und anderen Städten des heutigen Niedersachsen verbreitete Geldstück zeigte als Münzbild einen wilden Mann.

Im Jahre 1773 hatte die damalige Eigentümerin des Weingutes den Ausschank nebst Gastzeichen an die nahe Großenhainer Straße verlegen und einen Gasthof errichten lassen. Dieser wurde 1894 vom oben erwähnten Gustav Emil Weber durch ein größeres Gebäude im „altdeutschen Stile“ ersetzt. Den Namen des Gasthofes „Wilder Mann“ hatte man um 1900 auf die weitere Umgebung der heutigen Straßenbahn-Endhaltestelle der Linie 3 übertragen.

Während das alte Weingut schon lange nicht mehr existiert, befinden sich im grundhaft sanierten ehemaligen Gasthof „Wilder Mann“ seit August 2008 eine Bäckerei aus der Gellertstadt Hainichen, eine Fleischerei aus Oederan (Sachsen), acht Mietwohnungen, die Landesgeschäftsstelle des Verbandes Physikalische Therapie und im Hof dahinter ein ALDI-Markt.

Klaus Brendler

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Kontakt & weitere Infos

Die nächste Stadtteilführung »Vom Roten Ochsen zum Wilden Mann« findet am 12. Juni 2013 statt. Treffpunkt ist 14 Uhr die Endhaltestelle der Linie 3 (Wilder Mann)