Seit über 100 Jahren: Haltepunkt Strehlen

Veröffentlicht am Donnerstag, 11. Juli 2019

Der Haltepunkt Strehlen hat eine bewegte Historie. Besonders das anliegende Bahnhofsgebäude hat eine abwechslungsreiche Geschichte seit dem Bau des Hauses 1902 hinter sich.

Haltepunkt Strehlen um 1987. Repro/Foto: Schreiber

Haltepunkt Strehlen um 1987.

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Mit dem umfang­reichen Verkehrs­bau­ge­schehen auf Strehlens Oskar­straße – seit dem 6. Juli rollen die Straßen­bahnen auf der neuen Trasse – rückte auch der Halte­punkt Dresden-Strehlen der S-Bahn in den Blick­punkt. Für die Bezeichnung Bahnhof fehlt beim Gleis­körper eine Weiche.

Das ehemalige seit etwa 20 Jahren leerste­hende Empfangs­ge­bäude – nun sehr gut saniert – wurde am 3. Juli 1902 einschließlich des Insel­bahn­steigs mit seiner Überda­chung und der dafür errich­teten Zugangs­treppe eröffnet. Der Bau begann am 16. August 1901, der Beschluss dazu lag bereits 1888 vor. Die Gebäu­de­ar­chi­tektur zeigt freien Umgang mit histo­ri­schen Formen, vorwiegend der Renais­sance. Der seitdem fast unver­än­derte Klinkerbau mit Bruch­stein­sockel barg Folgendes: Wartesäle III. (1920 Notwohnung) und IV. Klasse, Gepäck­verkehr mit -aufbe­wahrung (auch Expressgut) plus Aufzug, »Bilett­bu­reaux«, Restaurant, Dienst­wohnung (zu DDR-Zeiten vom Präsi­denten der Reichs­bahn­di­rektion genutzt), öffent­liche Toiletten und schließlich einen Erfri­schungs­kiosk in der Empfangs­halle. Das war eigentlich die Glanzzeit der Immobilie, zumal mit der Eröffnung auch der viergleisige(!) Betrieb des Strecken­teils Reick – Dresden Hbf startete.

Zwar wurde die Eisen­bahn­strecke Dresden – Pirna durch das damalige Dorf Strehlen (1. Januar 1892 nach Dresden einge­meindet) schon am 1. August 1848 in Terrainhöhe eröffnet, aber der jetzige Hochdamm wurde erst 1897 errichtet. Als mögliche Standorte des Halte­punkts befanden sich auch die Franz-Liszt-Straße (damals Palais­straße) und der in Höhe Karcher­allee im Gespräch.

1965 bis 1967 erfolgte der Gebäu­de­umbau im Erdge­schoss für Büros der Brücken­meis­terei der Reichsbahn mit gleich­zei­tiger Schließung des Reise­ver­kehrs und 1982/83 für den Medizi­ni­schen Dienst des Verkehrs­wesens.

Mal nebenbei: Als man die »Höher­legung« der Gleise beendete, zahlte die »König­liche General­di­rektion der Sächsi­schen Staats­ei­senbahn« für abgetre­tenes Land ab 28. Oktober 1897 die Besit­ze­rinnen mit folgendem Hinweis aus: »Ehefrauen, die Zahlungen erhalten, wollen in Begleitung ihrer Ehemänner erscheinen.«

Und mit der Brückenhöhe über der Oskar­straße hatten nun die Guts- und Fuhrbe­sitzer ihre Schwie­rigkeit. 1899 schrieben sie an den Rat der Stadt: »Seit Verlegung des Grunaer Weges infolge der Höher­legung der Staatsbahn ist die Durch­fahrt unter der aufge­stellten eisernen Brücke so niedrig, daß wir zur Erntezeit nur mit halbge­la­denen Wagen durch­fahren können.« Überhaupt war die öffent­liche Meinung betreffs der kurzen Entfernung zum Haupt­bahnhof und zur »Chine­si­schen Mauer« des Dammes recht verhalten…

Karl Schreiber/Steffen Dietrich

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