Stadtgeschichte am Beispiel Dresdner Persönlichkeiten

Begegnungen mit der Vergangenheit

Veröffentlicht am Donnerstag, 21. Februar 2019

Auf dem Friedhof Dölzschen liegt Victor Klemperer begraben. Er legte einst literarisch Zeugnis ab über das dunkelste Kapitel der Dresdner Geschichte, die NS-Zeit.

Friedhof Dölzschen. Foto: C. Fritzsche

Friedhof Dölzschen.

Foto: C. Fritzsche

Bei einem Gang über Friedhöfe fallen Grabstätten histo­ri­scher Persön­lich­keiten auf. 62 mehr oder weniger bekannte Männer und Frauen, die auf Fried­höfen in Dresden und Umgebung ihre letzte Ruhe gefunden haben, stellen Autor Bernd Sonntag und Fotografin Carola Fritzsche in ihrem Buch »Begeg­nungen« vor. Der Schwarz-Weiß-Band ist vor elf Jahren erschienen und berührt mit seinen Lebens­läufen auf ganz besondere Weise. In loser Folge veröf­fent­lichen wir einige dieser Texte von Bernd Sonntag.

Victor Klemperer, 1881–1960

Die von Victor Klemperer von 1933–1945 geführten Tagebücher, veröf­fent­licht unter dem Titel »Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten«, sind ein bestür­zender Bericht über die Dresdner Juden. Erst drang­sa­liert und entrechtet, werden sie schließlich isoliert und getötet.

Ich finde das Grab von Victor Klemperer hinter der kleinen Dölzschener Fried­hofs­ka­pelle.

Auf dem Grabstein liegen sieben Steine.

Ich war da.

Ich habe an dich gedacht. Ein Gruß von Juden an den, der kein Jude sein wollte.

Obwohl Sohn eines Rabbiners, konver­tierte er zu Beginn des vorigen Jahrhun­derts vom Glauben der jüdischen Eltern zum Protes­tan­tismus.

Erst durch die Nürnberger Gesetze der Natio­nal­so­zia­listen wurde Klemperer den Juden zugeordnet, ein Vorgehen, das er von sich wies.

Nach dem 2. Weltkrieg trat er aus der evange­li­schen Kirche aus.

Was dachte Victor Klemperer über den Tod, der ihm im Leben so nahe war? Was über das Jenseits?

Seine zweite Frau, Dr. Hadwig Klemperer, sagte in einem Interview: »Es ist mir erst allmählich aufge­fallen, dass die Glaubens­in­halte für ihn dahin gingen: Gibt es ein Leben nach dem Tode? Das war das Wichtigste für ihn. Er hatte einfach Angst vor dem Nichts. Er hat immer gesagt, Haupt­sache, er existiert weiter, ob es nun ein Jüngstes Gericht gibt oder nicht.«

Steffen Dietrich

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Kontakt & weitere Infos

»Begegnungen«, Bernd Sonntag, Carola Fritzsche, Verlag Die Fähre, 2008
die.faehre@gmx.de

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