Umfangreiches Werkverzeichnis aus dem Schirmer/Mosel Verlag – Vorstellung der Neuerscheinung am 22. April im Leonhardi-Museum
Eine Dampffähre vor dem Blauen Wunder, der Loschwitzer Dorfplatz, der Kaufmann Watermann auf dem Hochrad, Kinder mit einem Leiterwagen – festgehalten für die Nachwelt von August Kotzsch mit seiner Kamera. Geboren 1836 als Sohn eines Loschwitzer Weinbauern entwickelte er sich zum ersten gewerblichen Fotografen in Loschwitz. Er hinterließ unzählige Aufnahmen, mit denen er die Wandlung des Weinbauern- und Fischerdorfes Loschwitz zum Dresdner Villenvorort dokumentierte. Ihm hatten es auch die Menschen angetan, die er im improvisierten Atelier auf dem Hof seines Hauses oder in ihrem persönlichen Umfeld porträtierte. Idyllische Genreszenen spiegeln das dörfliche Leben und die alltägliche Arbeit wider. August Kotzsch wurde zum Chronisten seiner Zeit, der Ereignisse wie Hochwasser, Denkmaleinweihung oder Bau des Blauen Wunders ablichtete. Seine Bilder weckten weit über Dresden hinaus Interesse, sie sind in vielen privaten und öffentlichen Sammlungen in verschiedenen Ländern zu finden.
Sein fotografisches Lebenswerk wird jetzt erstmals mit einem Werkverzeichnis aus dem Schirmer/Mosel Verlag München geehrt – mit über 1.000 Motiven. Unter dem Titel „August Kotzsch 1836-1910“ Landmann und Photograph in Loschwitz bei Dresden“ wird August Kotzsch als einer der großen deutschen Fotopioniere des 19. Jahrhunderts gewürdigt. Der über 500 starke Bildband enthält 1.138 Tafeln und Katalogabbildungen. Herausgeber sind Matthias Griebel und Jürgen Frohse für den Ortsverein Loschwitz sowie Agnes Matthias von der Deutschen Fotothek. Im Vorwort zum Buch wird auf die Vorgeschichte zum Werkverzeichnis verwiesen: 1986 erschien unter dem Titel „August Kotzsch 1836-1910. Photograph in Loschwitz bei Dresden“ die erste Monografie zu seinem Erbe im Dresdner Verlag der Kunst. Die Autoren: Filmemacher Ernst Hirsch, der spätere Direktor des Stadtmuseums Matthias Griebel sowie Volkmar Herre, Urenkel von August Kotzsch. Mit der Publikation von über 300 Motiven machten sie auf den zwischenzeitlich in Vergessenheit geratenen Loschwitzer aufmerksam. Sie kuratierten auch die Ausstellung im Leonhardi-Museum anlässlich des 150. Geburtstages des Fotopioniers. Damals befanden sich die meisten Exponate im Besitz seiner Nachfahren. Inzwischen gehört ein Großteil zur Sammlung der Deutschen Fotothek. Damals gab es bereits eine Verbindung zum Schirmer/Mosel-Verlag: Er vertrieb das Buch in der Lizenzausgabe für die Bundesrepublik.
Matthias Griebel und Jürgen Frohse begannen 2019 mit der Arbeit am Werkverzeichnis, ab 2023 kooperierten sie mit der Deutschen Fotothek. Bei ihren Recherchen fanden sie in knapp 50 öffentlichen und privaten Sammlungen in Deutschland, Österreich, in der Schweiz, in den USA und Australien Fotografien. Das Verzeichnis ist in zehn Kategorien unterteilt, jeweils mit kurzem Einführungstext sowie biografischen und ortsgeschichtlichen Angaben. Die Kapitel widmen sich u.a. der Familie von Kotzsch, Naturstudien, Porträts und Ansichten von Dresden. Die Herausgeber konnten sich auch auf eine Werkliste stützen, in der Kotzsch alle seine zwischen 1860 und 1880 entstandenen Motive dokumentierte.
Texte von Jürgen Frohse, Matthias Griebel, Ernst Hirsch, Agnes Matthias und Christin Müller lassen Leben und Werk von August Kotzsch in dem Sachbuch lebendig werden. Sichtbar wird, welche Bedeutung das reiche Erbe aus vergangenen Jahrhunderten noch heute hat.
„Jahrelange Recherchen zum Wirken von August Kotzsch finden jetzt im Erscheinen eines Werkverzeichnisses in Buchform seinen Abschluss. Es ist zu hoffen, dass August Kotzsch damit noch bekannter wird und einen festen Platz in der deutschen Fotografiegeschichte einnimmt“, fasst Jürgen Frohse zusammen.
Wer sich selbst ein Bild davon machen möchte, findet zusätzlich zum Werkverzeichnis in der aktuellen Ausstellung der Deutschen Fotothek der SLUB Dresden im Leonhardi-Museum Gelegenheit bis zum 21. Juni. Begleitet wird sie von mehreren Veranstaltungen.
So stellt am 22. April, 19 Uhr, Verleger Lothar Schirmer gemeinsam mit den Herausgebern das Werkverzeichnis vor.
Am 25. April bietet Jürgen Frohse einen geführten Spaziergang durch Loschwitz auf den Spuren von August Kotzsch an. (Anmeldung: ov-loschwitz-wachwitz@t-online). (StZ/Christine Pohl)
www.leonhardi-museum.de
www.schirmer-mosel.com

Buchcover des neuen Werksverzeichnisses. Foto: Schirmer/Mosel Verlag



