Standort für Beratung und Therapieangebote für krebskranke Kinder, Jugendliche und ihre Familien
Vor 20 Monaten legte der Verein Sonnenstrahl Dresden den Grundstein für das größte Projekt in der Vereinsgeschichte – den Neubau eines Hauses nahe der onkologischen Station der Kinderklinik am Universitätsklinikum Dresden. Jetzt ist es einzugsbereit.
„Wir sitzen quasi auf gepackten Kisten“, so Falk Noack, Geschäftsführer des Sonnenstrahl e.V. „Uns fehlt nur noch das Internet im neuen Haus, aber um das Glasfaserkabel einzuziehen, müssen die Temperaturen dauerhaft über 5 Grad Celsius liegen.“
Im neuen Haus gibt es mehr Platz für Musik-, Kunst- und Sporttherapie für krebskranke Kinder und Jugendliche. Auch die Krebsberatungsstelle des Vereins und die Geschäftsstelle ziehen hier ein. Am bisherigen Standort auf der Goetheallee war der Platz knapp geworden. Momentan werden am Uniklinikum Dresden jährlich ca. 100 Neuerkrankungen behandelt. Die durchschnittliche Heilungsrate – gemittelt über alle Krebsarten bei Kindern und Jugendlichen – beträgt heute fast 90 Prozent. Verbunden damit ist ein großer, oft über Jahre dauernder Therapiebedarf in der Nachsorge. Derzeit betreut der Verein rund 300 Familien in der Akutphase und in der Nachsorge.
Für den Übergang von der Kinder- und Jugendmedizin in die Erwachsenenversorgung hatte der Sonnenstrahl e.V. 2020 gemeinsam mit dem Uniklinikum eine Transitionssprechstunde ins Leben gerufen als Instrument einer behutsamen Langzeitnachsorge. Dafür stellt der Verein nun im neuen Haus zwei Ambulanzräume mietfrei zur Verfügung – ein Synergieeffekt, von dem die Patienten profitieren werden.
Zwei Etagen des Neubaus vermietet der Verein an das Universitätsklinikum Dresden für zwei Projekte, die sich ebenfalls um Kinder in schweren Lebenssituationen kümmern. Auf der ersten Etage richtet sich das Sächsische KinderPalliativ Zentrum ein. Das Erdgeschoss wird künftig durch das Kinderschutzhaus genutzt.
Für den Bau mussten 7,1 Millionen Euro aufgebracht werden. Die Finanzierung der eigenen Räume erfolgt u.a. aus dem Erbe von einer Million Euro von Olaf Böhme und aus über Jahre aufgebauten, zweckgebundenen Rücklagen. 1,2 Millionen Euro kommen aus Zuwendungen von sechs Stiftungen. Dazu gehören die „Deutsche Kinderkrebsstiftung“, die „Stiftung Deutsches Hilfswerk“ (Deutsche Fernsehlotterie), die Deutsche „José Carreras Leukämie-Stiftung“, „Bild hilft e.V. Ein Herz für Kinder“, „Tour der Hoffnung“ und die „Hildegard Wünsche Stiftung“. Über 1,3 Millionen Euro hat der Verein mit vielfältigen Spendenaktionen eingeworben. 25 Baupaten unterstützten den Neubau mit mindestens 10.000 Euro. Für den Bau der beiden Etagen, die das Universitätsklinikum mietet, nahm der Verein einen Kredit auf.
„Dass wir uns den Traum vom neuen Haus tatsächlich erfüllen konnten, liegt an der unglaublichen Spendenbereitschaft ganz vieler Menschen“, erklärt der Vereinsvorsitzende Andreas Führlich. „Wir können es noch gar nicht fassen, dass wir in Kürze einziehen werden und sind sehr, sehr dankbar. Das Haus bietet so viele Möglichkeiten! Wir können die Erkrankung nicht aus der Welt schaffen, aber wir können die Familien künftig noch besser unterstützen.“
Der Sonnenstrahl e.V. nutzt das 3. und 4. Obergeschoss für die Musik-, Kunst- und Sporttherapie sowie für die Tumorberatungsstelle und die Geschäftsstelle des Vereins.
Vor allem für die Sporttherapie ist der Umzug ein Gewinn. Die Größe erlaubt neue Therapieansätze, Umkleide und Dusche sind rollstuhlgerecht.
Auch das gesamte Haus ist barrierefrei. Der Aufzug führt von der Tiefgarage bis zum Staffelgeschoss. Hier befindet sich der José Carreras Begegnungsraum, der bis zu 70 Personen Platz bietet. In der extra großen Küche nebenan können Kinder, Jugendliche oder Eltern gemeinsam kochen und backen. Eine fast 60 Quadratmeter große Terrasse lädt zum Verweilen ein.
„Die Deutsche José Carreras-Stiftung hat diesen Raum finanziert und eröffnet uns ganz neue Möglichkeiten“, betont Andreas Führlich. „Ob für Elterntreffen, Geschwistertage oder die Mitgliederversammlung – bisher mussten wir größere Räume oft anmieten. Jetzt können wir hier auch kleine Konzerte, Kinoabende oder Sponsorentreffen organisieren.“
Und was passiert mit der bisherigen Villa Sonnenstrahl in der Goetheallee?
Sie soll mittelfristig zu Familienappartements mit eigener Küche umgebaut werden. Das ist der Wunsch vieler Eltern, die während des Klinikaufenthaltes ihres Kindes hier leben und sich gern zurückziehen und selbst versorgen möchten.
Den Verein Sonnenstrahl Dresden – Förderkreis für krebskranke Kinder und Jugendliche gibt es seit 1990. Er wurde von engagierten Ärzten, Krankenschwestern und betroffenen Eltern gegründet. Das erste große Projekt war die Anmietung einer Wohnung für Eltern krebskranker Kinder nahe der Uniklinik, damit während der oft monatelangen Therapie schnell und oft bei ihnen sein können. (StZ)



