Kalenderblatt 24.1.2026

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von | Stadtweit, Kultur

Ernst Theodor Amadeus Hoffmanns Wirken in Dresden

Der Kammergerichtsrat, Dichter, Musiker, Musiklehrer, Musikkritiker und Maler E. T. A. Hoffmann wäre am 24. Januar 250 Jahre alt geworden. In einem Beitrag erinnert Andreas Rockstroh an sein Wirken in Dresden. Das Jubiläumsjahr des Allroundgenies Hoffmann hat gerade erst in Königsberg, Berlin, Bamberg und Augsburg sowie in anderen Großstädten begonnen.

Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann (ab 1805 änderte er sich seinen dritten Vornamen aus Verehrung für Mozart, in „Amadeus“ um) wurde am 24. Januar 1776 als dritter Sohn der Eheleute des Hofgerichtsadvokats Christoph Ludwig Hoffmann und seiner Cousine Lovisa Albertina Doerffer in Königsberg (früher Ostpreußen, heute Kaliningrad/Russland) geboren. Wie wir sehen, entstammte Hoffmann einer Verwandtenehe und er selbst wäre fast dem Vorbild seiner Eltern gefolgt, da er sich im Jahr 1798 mit seiner Cousine Minna Doerffer verlobte. Aus dieser Verbindung löste er sich wieder und heiratete 1802 die Polin Michaelina Rorer-Trzcinska aus Posen.

Hoffmanns Lebensstationen als Jura-Student, danach Kammergerichtsrat und Musikdirektor waren neben seiner Geburtsstadt noch Glogau, Posen, Warschau, Plock, Bamberg, Dresden, Leipzig und vor allem Berlin, wo er als Kammergerichtsrat bis zu seinem Tod am 25. Juni 1822 tätig war.

Sein Lebensprinzip beschrieb er zusammenfassend so: „Im Ernste geredet, die Wochentage bin ich Jurist, und höchstens etwas Musiker, sonntags am Tage wird gezeichnet, und abends bin ich ein sehr witziger Autor bis in die späte Nacht“. Hoffmann war in sich ein zerrissener, instabiler Charakter, ein von seiner überaus großen Fantasie Getriebener, den starken alkoholischen Getränken sehr zugetan und der sich schwer für ein Metier, sei es die Musik, Malerei, Dichtung und seinem Hauptberuf als Richter entscheiden konnte. „Ich bin das, was ich scheine, und scheine das nicht, was ich bin, mir selbst ein unerklärliches Rätsel, bin ich entzweit mit meinem Ich!“ (Zitat aus dem Roman: „Die Elixiere des Teufels“)

Nur wenige Monate – vom 28. April 1813 bis Ende September 1814- weilte E. T. A. Hoffmann abwechselnd in Dresden und Leipzig, nachdem er seine Musikdirektorenstelle am Bamberger Theater aufgeben musste. Die beschwerliche Reise von Bamberg nach Dresden stand unter keinem guten Stern, denn das mit Napoleon verbündete Königreich Sachsen war in diesen Monaten zum Aufmarschgebiet gewaltiger Armeen geworden.

Die sechzehn Monate, die Hoffmann in Dresden und Leipzig verbrachte, waren geprägt von Kriegsgeschehen. Er versuchte den Wirren der Zeit zu entfliehen, indem er als Musikdirektor der Secondaschen Operntruppe abwechselnd in Dresden und Leipzig in weniger als einem Jahr 37 Opern und Singspiele, überwiegend beliebte Werke der Zeit von Mozart, Gluck, Cherubini, Salieri u. a. aufführte. Zudem begann er mit der Komposition an seiner Märchen-Oper „Undine“ und komponierte für die Dreyßigsche Singakademie einen Hymnus. Der Aufenthalt in den beiden sächsischen Metropole gehörte zu den intensivsten literarischen wie musikalischen Schaffens-Phasen Hoffmanns.

Er träumt hier, wie auch schon zuvor in Bamberg, von einem Dasein in der Kunst, aber er ist an die Schrecken eines Krieges gefesselt. Literarisch verarbeitet Hoffmann seine Eindrücke in der Flugschrift: „Die Vision auf dem Schlachtfelde von Dresden“ (Kunz, Bamberg 1814/ Müller & Sohn, München 1909) die katastrophalen Zustände in und um Dresden frappierend genau.

Hier in Dresden entstand Ende 1813 und Anfang 1814 Hoffmanns berühmtestes Märchen „Der goldene Topf“ in 12 Vigilien. Der Untertitel „Ein Märchen aus der neuen Zeit“ wird durch zahlreiche realistische Elemente aus dem Stadtbild und historischen Schauplätzen Dresdens (Schloss, Schwarzes Tor, Linkisches Bad) und aus dem Zeitgeschehen bezeugt und immer wieder eingeblendet. Lesen Sie das Märchen vom „Golden Topf“ als Einstieg in das Leben einer der faszinierenden Persönlichkeiten des 18. Jahrhunderts.

Das Theater auf dem Linckeschen Bad zählte mit seiner Gastwirtschaft, dem Sommertheater und einem Konzertsaal zu den beliebtesten Ausflugsorten der Dresdner im 19. Jahrhundert. Carl Christian Lincke 1728-1799), nach dessen Name das Bad benannt wurde, kaufte 1766 das Areal und ließ u. a. 1776 (vor genau 250 Jahren), ein Theater errichten. 1790 übernahm Joseph Seconda (1761-1820) mit seiner Operngesellschaft den Spielbetrieb, bis es 1816 kriegsbedingt geschlossen wurde. Hier wirkte E. T. A. Hoffmann als Musikdirektor und führte oben genannte Opern auf.

Hoffmann wohnte abwechselnd in Dresden und Leipzig. So bezog er in Dresden 1813 seine erste Wohnung in der Holzhofgasse 21 und zog dann später in die Altstadt. Der in Dresden beheimatete Dresdner Romantik-Verein e. V. plant zum E.T.A.-Hoffmann-Jahr ebenfalls zahlreiche Aktivitäten und Veranstaltungen, die im Laufe des Jahres bekanntgegeben werden. Unmittelbar in der Nähe der ehemaligen „Drachenschänke“ soll eine Stele aus Anlass des 250. Geburtstags von E. T. A. Hoffmann feierlich aufgestellt werden, die an sein Wirken in Dresden und Leipzig erinnert. (StZ)

Als „Märchen aus der neuen Zeit“ erschien „Der goldne Topf“ erstmals 1814. Seitdem existieren zahlreiche Veröffentlichungen, hier eine Taschenbuchausgabe aus dem Aufbau-Verlag. Foto: Rockstroh

Als „Märchen aus der neuen Zeit“ erschien „Der goldne Topf“ erstmals 1814. Seitdem existieren zahlreiche Veröffentlichungen, hier eine Taschenbuchausgabe aus dem Aufbau-Verlag. Foto: Rockstroh

veröffentlicht am: 22. Januar 2026
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