Ausstellung im Leonhardi-Museum anlässlich des neu erschienenen Werkverzeichnisses
Loschwitz war der Geburtsort und die Wirkungsstätte von August Kotzsch (1836-1910). Er hat sich als „Photograf der Spätromantik“ einen Namen über sein lokales Umfeld hinaus gemacht. Ihm widmet die die Deutsche Fotothek der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB Dresden) eine Ausstellung im Leonhardi-Museum in Loschwitz.
Mit einer Vernissage am 27. März, 20 Uhr, wird die Ausstellung eröffnet. Höhepunkt ist die Präsentation des neuen Werkverzeichnisses des Fotopioniers im Schirmer/Mosel-Verlag, das in Kooperation des Ortsvereins Loschwitz-Wachwitz e.V. mit der Deutschen Fotothek entstand. Schon 1986 richtete das Leonhardi-Museum anlässlich des 150. Geburtstages von August Kotzsch eine erste Retrospektive des Fotografen aus. Kuratoren waren der Dresdner Heimatforscher Matthias Griebel, der Filmemacher und Kameramann Ernst Hirsch sowie Volkmar Herre, der Urenkel von August Kotzsch.
Zu diesem Zeitpunkt befanden sich die meisten Exponate noch im Besitz der Nachfahren des Fotografen. Inzwischen ist der Großteil davon in die Sammlung der Deutschen Fotothek eingegangen. Bereits 1935 hatte Kotzschs Sohn Otto der Fotothek ein erstes Glasnegativ geschenkt. Inzwischen wuchs die Sammlung der Deutschen Fotothek um 500 originale Aufnahmen. Davon werden rund 90 Abzüge und zwei Alben sowie weitere Objekte aus Kotzschs Nachlass präsentiert. Bereichert wird die Ausstellung durch Leihgaben aus den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, aus dem Kupferstich-Kabinett und dem Museum für Sächsische Volkskunst, sowie aus dem Landesamt für Denkmalpflege Sachsen.
August Kotzsch, Sohn eines Loschwitzer Weinbauern, war ab 1861 der erste gewerbliche Fotograf in Loschwitz. Er dokumentierte nicht nur die Entwicklung des Ortes vom Weinbauerndorf zum Dresdner Villenvorort, sondern betätigte sich auch als fotografischer Ortschronist. Mit seinen Porträts der Loschwitzer Einwohner und Ansichten des dörflichen Lebens wurde er bekannt. Neben Aufnahmen, die der Spätromantik verhaftet waren, stehen Fotografien, die in ihrer Bildsprache in die Moderne weisen. Dies manifestiert sich vor allem in seinen Naturstudien, denen sein Hauptinteresse als Fotograf galt. Mit als künstlerische Vorlagenblätter angebotenen „Studien nach der Natur“ war August Kotzsch in den 1870 und 1880er Jahren sehr erfolgreich. Er beteiligte sich damit 1873 an der Weltausstellung in Wien und 1874 an der Jahresausstellung der Société française de Photographie in Paris.
„Die Ausstellung im Leonhardi-Museum schlägt nicht nur den Bogen vom Heute zurück zu den Anfängen der Kotzsch-Rezeption an eben diesem Ort, sondern stellt August Kotzsch als einen Fotografen vor, dessen bildkünstlerische Ideen in ihrer retrospektiven Modernität über seine Zeit hinausweisen,“ urteilt Dr. Agnes Matthias, die Ausstellungskuratorin Deutsche Fotothek.
Das neu herausgegebene Werkverzeichnis verweist auf das Jahr 1986. Damals brachte der Dresdner Verlag der Kunst die Monografie „August Kotzsch 1836–1910. Photograph in Loschwitz bei Dresden“ heraus, mit der Kotzsch in die deutsche Fotogeschichte eingeführt wurde. Verfasst hatten sie die drei Kuratoren der Retrospektive. Der Schirmer/Mosel-Verlag in München vertrieb das Buch in einer Lizenzausgabe für die Bundesrepublik. Bereits damals gab es erste Überlegungen zu einem Werkverzeichnis. Dieses legt jetzt 40 Jahre später Schirmer/Mosel vor.
2019 begannen Matthias Griebel und Jürgen Frohse vom Ortsverein Loschwitz-Wachwitz e. V. die Arbeit am Werksverzeichnis, die sie ab 2023 in Kooperation mit der Deutschen Fotothek fortsetzten. Im Zuge der Recherchen konnten Fotografien von Kotzsch in knapp fünfzig öffentlichen und privaten Sammlungen in Deutschland, in Österreich, in der Schweiz, in den USA und sogar in Australien ausfindig gemacht werden.
Das umfangreiche Werksverzeichnis enthält insgesamt 1.139 Tafeln und Katalogabbildungen auf über 500 Seiten – darunter Landschaftsaufnahmen, Ereignisse, Naturstudien. Texte von Jürgen Frohse, Matthias Griebel, Ernst Hirsch, Agnes Matthias und Christin Müller ordnen Kotzschs Werk in seiner Zeit ein.
Jürgen Frohse, Ortsverein Loschwitz-Wachwitz e. V., resümiert: „Jahrelange Recherchen zum Wirken von August Kotzsch finden jetzt im Erscheinen eines Werkverzeichnisses in Buchform seinen Abschluss. Es ist zu hoffen, dass August Kotzsch damit noch bekannter wird und einen festen Platz in der deutschen Fotografiegeschichte einnimmt“.
Die Ausstellung ist bis zum 21. Juni zu sehen. Sie wird von verschiedenen Führungen und Veranstaltungen begleitet. Die erste Kuratorinnenführung findet am 19. April, 14 Uhr, statt. Eine Präsentation des Werkverzeichnisses mit dem Verleger Lothar Schirmer und den Herausgebern findet am 22. April, 19 Uhr, im Leonhardi-Museum statt. (StZ)
Werkverzeichnis: ISBN 978-3-8296-1025-4



