Der Markusfriedhof in Pieschen

Friedhöfe im Dresdner Nordwesten

Veröffentlicht am Dienstag, 12. Dezember 2017

1883 wurde der Pieschener Markusfriedhof eingeweiht. Der an der Hubertusstraße gelegene Friedhof ist mehrfach erweitert worden. Anfang der 1920er Jahre schuf der Meißner Bildhauer Georg Türke ein Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten aus Pieschen.

Auf dem Markusfriedhof haben auch zahlreiche Persönlichkeiten ihre letzte Ruhestätte gefunden, deren Leben mit der Geschichte des Dresdner Nordwestens eng verbunden ist. Foto: K.B.

Auf dem Markusfriedhof haben auch zahlreiche Persönlichkeiten ihre letzte Ruhestätte gefunden, deren Leben mit der Geschichte des Dresdner Nordwestens eng verbunden ist.

Foto: K. B.

Was die Geschichte der bis 1884 nach Kaditz gepfarrten Gemeinde Pieschen betrifft, so schrieb der fast drei Jahrzehnte als Pfarrer in Kaditz wirkende Karl Bernhard Henrici (1837–1924) in »Die Emmaus-Kirche in Dresden-Kaditz« (1906) unter anderem: »In der Gemeinde Pieschen, die unmit­telbar vor den Toren der Haupt- und Residenz­stadt lag, hatte sich im Laufe der Jahre die Einwoh­nerzahl wesentlich vermehrt. Von 1871 bis 1875 stieg sie von etwa 1.800 auf 4.740 […], und der Gedanke, sich in nicht zu ferner Zeit kirchlich selbständig zu machen, lag nahe.«

Nach langwie­rigen Verhand­lungen wurde schließlich beschlossen, dass ab 1. Januar 1884 Pieschen mit einem schon gewählten Kirchen­vor­stand aus der Parochie Kaditz (Pfarr­ge­meinde, Kirch­spiel) ausscheiden und fortan eine selbst­ständige Parochie bilden wird. „Ihr wurde Trachen­berge angeschlossen, das erst seit 1915 eine eigene Kirch­ge­meinde bildet. Da die Toten aus dem inzwi­schen stark bevöl­kerten Pieschen nicht weiterhin alle nach Kaditz gebracht werden konnten, war die erste Tat der neu gegrün­deten Gemeinde die Einweihung des 1883 geschaf­fenen eigenen Friedhofs.« (Dresdner Hefte, 8. Jg., Heft 3, 1990). Hinter dem Damm der seit 1839 verkeh­renden ersten deutschen Fernei­senbahn zwischen Leipzig und Dresden gelegen, wurde er am 6. Januar 1884 mit sechs Kinder­be­gräb­nissen einge­weiht. Im Juli desselben Jahres konnte auch die 1908 gründlich erneuerte Paren­ta­ti­ons­halle (Leichen­halle) ihrer Nutzung übergeben werden. In der Folge waren mehrere Erwei­te­rungen des Fried­hof­ge­ländes erfor­derlich. 1895 wurden zwei und 1905 acht Flurstücke hinzu­ge­kauft, sodass der Markus­friedhof an der Huber­tus­straße eine Fläche von fast 450 Quadrat­meter einnimmt. Die Huber­tus­straße, einst ein unbefes­tigter Weg, auf dem die Pieschener Bauern ihr Vieh auf die in den Trachen­bergen liegenden Weide­flächen trieben, trug seit 1895 des Friedhofs wegen den Namen Friedens­straße. Zwei Jahre später wurde selbige in Huber­tus­straße umbenannt. Hubertus von Lüttich (um 655–727), seit dem Jahre 700 Bischof von Maastricht und Lüttich, gilt u. a. auch als Schutz­patron der Jagd und der Jäger.

Auf dem Markus­friedhof selbst haben Persön­lich­keiten ihre letzte Ruhestätte gefunden, die mit der Geschichte des Dresdner Nordwestens eng verbunden sind. Neben vielen anderen sind das Fährbe­sitzer Karl August Jacob, Baumeister Gustav Richard Martin, Kinder­ärztin Dr. med. Katharina Sieber-Pilling, Fisch­händler Max Jannasch, Fleischer­meister Vörtler, die prakti­schen Ärzte Walter und Wilhelm Herzfeld, Schmie­de­meister Ernst Zumpe, Drogist Rudolph Langner, sowie der von 1897 bis 1929 als Pfarrer der Kirch­ge­meinde St. Markus tätige Friedrich Gotthilf Magirius. Anzumerken ist, dass vom Pieschener Militär­verein befördert und geschaffen durch den Meißner Bildhauer Georg Türke (1884–1972) Anfang der 1920er Jahre ein Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefal­lenen Bürger Pieschens einge­weiht wurde.

Wer über diesen Friedhof noch mehr wissen möchte, dem sei »Die Geschichte des Dresdner Vorortes Pieschen« von Heide­marie und Heinz Glodschei aus dem Jahre 2008 empfohlen. Der dem Ev.-Luth. Neustädter Fried­hofs­verband unter­stellte Markus­friedhof wird ab Januar 2018 wieder zur Lauren­ti­us­ge­meinde gehören, deren Verwal­tungs­zentrum sich seit 2006 in der Trachauer Apostel­kirche befindet.

Klaus Brendler

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