Pieschen wächst weiter

Veröffentlicht am Mittwoch, 18. Januar 2017

Ortsamtsleiter Christian Wintrich hat ein arbeitsreiches Jahr hinter sich. Pieschen wächst weiter und hat längst eine eigene Dynamik entwickelt. Die Bürgerschaft ist weiter zusammengerückt, eine gute Voraussetzung dafür, das Jahr 2017 zu meistern. Denn es steht ein großes Jubiläum an: 725 Jahre Pieschen. Man darf schon heute sicher sein, dass Sankt Pieschen weit über die Grenzen des Stadtteils hinaus strahlen wird. Redakteur Steffen Möller traf Christian Wintrich zum Gespräch.

Pieschen hat längst eine eigene Dynamik entwickelt. Ortsamtsleiter Christian Wintrich hat allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Foto: Möller

Pieschen hat längst eine eigene Dynamik entwickelt. Ortsamtsleiter Christian Wintrich hat allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken.

Foto: Möller

Wie hat sich der Stadtteil in den letzten zwölf Monaten verändert, wie sieht Ihre Bilanz für 2016 aus?

Kurz zusammengefasst: Pie­schen wächst weiter! Es ist vieles auf den Weg gebracht worden. Baulücken verschwinden, neue Gebäude werden errichtet, der Stadtteil verändert sich und die Einwohnerzahl steigt. In den vergangenen zwölf Monaten waren für mich vor allem auch die vielen persönlichen Gespräche mit den Bürgerinnen und Bürgern wichtig und aufschlussreich. Dabei hat sich gezeigt, dass es möglich und nötig ist, offen, fair und sachlich miteinander zu diskutieren, um Veränderungen im Stadtteil gemeinsam auf den Weg zu bringen. Da geht es um Kinderspielplätze genauso wie um die Gestaltung von öffentlichen Aufenthaltsbereichen. Es geht aber auch um Ordnung und Sauberkeit sowie darum, Lebensqualität zu schaffen. Man muss die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger ernst nehmen. Diese Erkenntnis ist zwar nicht neu, aber nicht weniger aktuell. Ich erinnere an die Diskussionen um die Unterbringung von Flüchtlingen in der Sporthalle Thäterstraße.

Vor einem Jahr hieß es, dass die künftige Markus-Passage bis Mitte 2017 verkehrs- und medientechnisch erschlossen sein würde. Inzwischen stehen die ersten Häuser. Zufrieden?

Natürlich! Wenn man bedenkt, dass der Standort bis vor wenigen Monaten eine Brache war, die als Parkplatz genutzt wurde, ist es kaum zu glauben, wie weit die Arbeiten inzwischen vorangekommen sind. Die geplante Hans-Fromm-Straße soll im Sommer dieses Jahres fertiggestellt sein. Im Übrigen bin ich sehr gespannt, wie das neue Ensemble wirkt und hoffe, dass es von den Pieschnerinnen und Pieschnern gut angenommen wird.

Pieschen ist eine Riesenbaustelle. Wie viele Projekte stehen eigentlich aktuell auf der ­Agenda?

Wie in ganz Dresden wird derzeit auch in Pieschen an allen Ecken und Enden gebaut. Die Arbeiten an der Markuspassage gehen weiter. In diesem Jahr soll auch der Startschuss für die Schulneubauten an der Gehestraße fallen. Die Fertigstellung ist für 2019/20 geplant. Schon für das kommende Schuljahr 2017/18 erfolgt die Gründung der 145. Oberschule und des Gymnasiums Pieschen, die dort ihren Standort haben werden. Der Innenausbau der 147. Grundschule in der Maxim-Gorki-Straße ist momentan in vollem Gange. Zum Schuljahr 2017/18 geht das neue Haus mit zwei ersten Klassen an den Start und wird gleichzeitig als Interimsstandort für die neu zu gründende 145. Oberschule und das künftige Gymnasium Pieschen dienen. Außerdem werden an der Sternstraße die ersten Wohnhäuser errichtet.

Wir sprachen seinerzeit über den weiteren Ausbau des Elberadwegs zwischen Kaditz und Übigau. Damals sagten Sie u. a., dass Untersuchungen zu einer alternativen Trasse laufen. Gibt es dazu etwas Neues?

Nichts, was geeignet wäre, optimistisch zu stimmen.

Was heißt das konkret?

Für den Abschnitt zwischen Autobahnbrücke und Altkaditz ist bei der Landesdirektion Sachsen ein Antrag auf Planfeststellung gestellt worden. Die angehörten Naturschutzverbände lehnten das Bauvorhaben mit dem Hinweis auf den Lebensraum von vier verschiedenen Tierpopulationen ab. Konkret sollte es sich dabei um Zauneidechsen, Nachtkerzenschwärmer, Laufkäfer und Elbebiber handeln. Daraufhin sind vertiefende Umweltuntersuchungen vorgenommen worden. Nachgewiesen werden konnten letztlich sechs verschiedene Laufkäferarten. Anfang des Jahres wird nun eine neue Auslegung des Planes erfolgen. Wegen der Widerspruchs- und Klagemöglichkeiten kann noch kein Termin für einen möglichen Baubeginn benannt werden.

Das gilt auch für den Abschnitt zwischen Flügelweg- und Autobahnbrücke?

Hier ist die Sachlage eine andere. Im Rahmen des Hochwasserschutzkonzeptes für die Elbe plant die Landestalsperrenverwaltung im Bereich der Kläranlage die Ertüchtigung der dortigen Elbdeiche. Die Vergabe der dazu erforderlichen Planungsleistungen ist erfolgt. Weitere Abstimmungen zur Radwegeführung auf dem Deichkörper sind vorgesehen. Zwischen Altkaditz und Mickten soll längs der Flutrinne ein Radweg entstehen. Aber auch dafür gibt es noch keine vertiefenden ­Planungen.

Bleibt das Teilstück zwischen Böcklinstraße und Flügelwegbrücke.

Hier zielten die bisherigen Planungen darauf ab, die Rethelstraße in das Radwegenetz einzubinden und ab Schloss Übigau eine direkte Verbindung zur Flügelwegbrücke herzustellen. Der Versuch, die dafür erforderlichen Flächen auf dem Gelände des ehemaligen Dampfkesselbaus zu erwerben, ist gescheitert. Planungen bzw. Untersuchungen des Stadtplanungsamtes zu Alternativtrassen liegen momentan nicht vor.

Ein weiteres Thema, das seit längerem auf der Tagesordnung stand, war die Sanierung des Sachsenbades. Dort hat es Bewegung gegeben. Können Sie den Stand kurz zusammenfassen?

Den Pieschnerinnen und Pieschnern ist ihr Sachsenbad außerordentlich wichtig. Die Petition Sachsenbad retten“ ist vom Petitionsausschuss positiv bewertet worden. Es ist gut, dass jetzt Bewegung in die Angelegenheit kommt.

Was sind die nächsten Schritte?

Der Stadtrat hat im Rahmen der Beschlussfassung zum Doppelhaushalt 2017/18 eine Summe in Höhe von 125.000 Euro für eine Machbarkeitsstudie zur Verfügung gestellt. Diese Studie soll anhand aktueller Bedarfsanalysen Klarheit über mögliche Entwicklungsper­spektiven des Bades und deren Finanzierung schaffen. Die Ergebnisse werden dann dem Stadtrat als Grundlage für eine fundierte Beschlussfassung ­vorgelegt.

Das alles beherrschende Thema in den beiden zurückliegenden Jahren war die sogenannte Flüchtlingskrise. Hitzige Diskussionen wurden geführt. Wie gestaltet sich die Situation aktuell?

Aktuell gehen die Zahlen derjenigen, die in Deutschland Asyl suchen, zurück. Das wirkt sich auch auf die Stadt aus und beschert uns im Ortsamtsbereich eine Atempause. Wir haben keine Notunterkünfte mehr. Seit Anfang Juni 2016 steht auch die Sporthalle in der Thäterstraße dem Vereinssport wieder zur Verfügung.

Jetzt geht es in allererster Linie darum, die Menschen, die zu uns gekommen sind, zu integrieren. Und es geht darum, die begonnenen Dialoge fortzusetzen. Wichtig ist, das möchte ich noch einmal betonen, die Sorgen, Nöte und Prioritäten von allen, die in das Thema involviert sind, ernst zu nehmen. Das wird auch in diesem Jahr eine Herausforderung sein, die wir zusammen meistern müssen. Im Ortsamtsbereich sind zur Zeit 190 Asylsuchende zentral und dezentral untergebracht.

Mit dem Ruhestand von Karin Heyne, seit vielen Jahren Chefin der Kreativen Werkstatt, steht eine Zäsur an. Eine Nachfolgerin ist wohl schon bestellt.

Mit Karin Heyne verlässt uns eine kreative Macherin. Sie hat mit Engagement und vielen guten Ideen die kulturelle Identität des Stadtteils über viele Jahre maßgeblich mitgeprägt. Ich danke Frau Heyne an dieser Stelle für ihre Arbeit und wünsche auch der Nachfolgerin Kornelia Thümmel Erfolg in ihrem neuen Tätigkeitsfeld.

Wir danken für das Gespräch!

Teil II des Interviews im Februar.

Steffen Möller

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