Betroffene beraten Betroffene

Veröffentlicht am Dienstag, 25. Februar 2020

Die ergänzende unabhängige Teilhabeberatung ist seit 2018 als Projekt ein wichtiger Anlaufpunkt für Ratsuchende rund um das Thema »Positive Lebensgestaltung trotz Behinderung«.

Vor dem Büro der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) Thomas Wacker, Birger Höhn und Anja Reger (v. l.). Foto: Claudia Trache

Vor dem Büro der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) Thomas Wacker, Birger Höhn und Anja Reger (v. l.).

Foto: Claudia Trache

2018 wurde die Ergän­zende unabhängige Teilha­be­be­ratung mit Sitz an der Hoyers­werdaer Straße 21, als eigen­stän­diges Projekt der Stadt AG – Aktives Netzwerk für ein inklu­sives Leben in Dresden e. V. eröffnet. Nach dem Prinzip »Betroffene beraten Betroffene« können sich Ratsu­chende an insgesamt acht sogenannte Peer-Berate­rinnen bzw. -Berater mit unter­schied­lichen Beein­träch­ti­gungen wenden. »Dank des Bundes­teil­ha­be­ge­setzes konnte diese Beratungs­stelle einge­richtet werden, in der die Berater nicht nur ehren­amtlich, sondern in erster Linie haupt­amtlich tätig sind«, so Anja Reger, Leiterin der Beratungs­stelle und Teilha­be­be­ra­terin ohne Behin­derung. Unter den Beratern gibt es welche mit einer erwor­benen Behin­derung, mit psychi­scher Erkrankung, hochgra­diger Sehbe­ein­träch­tigung sowie eine Rollstuhl­fah­rerin. Eine Beraterin beherrscht die Gebär­den­sprache und kann aufgrund eines eigenen gehör­losen Kindes vor allem auch Eltern gehör­loser Kinder aus eigener Erfahrung beraten. Birger Höhn ist Autist. Er berät aber auch Menschen mit ADS ADHS und Tourette-Syndrom. Aufgrund seiner Behin­derung bekommt er auch Beratungs­an­fragen außerhalb von Dresden. Zu den Öffnungs­zeiten der EUTB (montags und mittwochs 9 bis 16 Uhr, dienstags und donnerstags 9 bis 18 Uhr sowie freitags 9 bis 14 Uhr) kann jeder Ratsu­chende auch ohne Termin vorbei­kommen. Geht es um spezielle Fragen, erhalten sie im Einzelfall zusätzlich einen Termin bei dem entspre­chenden Berater bzw. Beraterin. »Wir sind eine niedrig­schwellige und ergän­zende Beratung«, so Anja Reger. »Wir beraten zu sozial­recht­lichen Fragen, helfen beim Ausfüllen von Anträgen oder erklären, wo und wie man einen Schwer­be­hin­der­ten­ausweis beantragt. Wir sind aber keine Rechts­be­ratung.«

Neben der persön­lichen Beratung helfen Anja Reger und ihr Team auch telefo­nisch und per E-Mail Ratsu­chenden weiter. »Wir möchten unsere Klienten in ihren Rechten bestärken, aber auch durch unser eigenes Beispiel zeigen, dass man das Leben trotz Behin­derung positiv gestalten kann«, so Thomas Wacker, von Geburt an von einer Gebehin­derung durch eine Spastik betroffen. Die Berater haben auch ein offenes Ohr dafür, wenn Betroffene einfach mal ihre Situation schildern möchten und welche Schwie­rig­keiten sie damit haben. »Viele Betrof­fenen haben in anderen Beratungs­stellen schon schlechte Erfah­rungen gemacht. Mit uns können sie auf Augenhöhe sprechen. Das wissen viele sehr zu schätzen«, so Thomas Wacker. Wer Tipps für die Freizeit­ge­staltung braucht, ist bei EUTB ebenfalls gut aufge­hoben. Auch über das Recht auf eine Begleit­person bei Freizeit­ak­ti­vi­täten erfahren Inter­es­sierte von den Beratern Genaueres.

Claudia Trache

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