Grün, Grill und Garten

Neues vom Columbusstraßen-Park

Veröffentlicht am Mittwoch, 16. Juli 2014

An der Columbusstraße, zwischen Eichendorff- und Baluschekstraße, entsteht ein neuer Park für Dresden-Löbtau. Die Dresdner Firma Nestler baut seit dem Frühjahr die 2.100 Quadratmeter große Grünanlage aus. ntworfen hat die Grünanlage der Dresdner Landschaftsarchitekt Florian Ehrler. Und es gibt gleich zwei Experimente: Ein fest eingebauter Grill und es wird für die Anwohner eine Fläche geben, wo sie gemeinschaftlich Obst und Gemüse anbauen können.

Noch ist der künftige Park fest in den Händen der Bauarbeiter. Isabell Schultz zeigt auf der Bautafel, in welchem Parkbereich später gegärtnert wird. Foto: Tanja Tröger

Noch ist der künftige Park fest in den Händen der Bauarbeiter. Isabell Schultz zeigt auf der Bautafel, in welchem Parkbereich später gegärtnert wird.

Foto: Tanja Tröger

Löbtau. Mehr Grün für den Stadtteil: An der Colum­bus­straße, zwischen Eichen­dorff- und Baluschek­straße, entsteht ein neuer Park für Löbtau. Wo jahrzehn­telang eine durch den Krieg entstandene Brache vor sich hin gammelte, die als wilde Müllhalde und ungeordnete Parkfläche  genutzt wurde, baut die Dresdner Firma Nestler seit dem Frühjahr eine etwa 2.100 Quadrat­meter große Grünanlage. Sie wird nach dem Leitmotiv »Flussaue« gestaltet: Ein ausge­trock­netes Flussbett windet sich schräg durch die Fläche. An seinen Ufern spenden große Ulmen, Weiden, Pappeln und Erlen Schatten. Sträucher und ein kleiner Erdwall entlang der Colum­bus­straße schirmen die grüne Oase vom Verkehr ab. Ein öffent­licher Grill­platz lädt zum Sommer­ver­gnügen ein, ein Bienen­hotel und ein Brunnen mit Schwen­gel­pumpe ergänzen die naturnahe Anlage. Damit die Löbtauer auch weiterhin auf der Fläche feiern können, etwa beim Colum­bus­stra­ßenfest, wird ein Teil des Parks als Schot­ter­rasen ausge­führt.

Entworfen hat die Grünanlage der Dresdner Landschafts­ar­chitekt Florian Ehrler. Der Mittdrei­ßiger beschäftigt sich schon lange mit dem Stadtraum Löbtau, hat vor rund zehn Jahren ein Nutzungs­konzept für zahlreiche Brachen erstellt und etliche dieser Freiflächen auch selbst umgestaltet. So entstanden beispiels­weise die Spiel­plätze an Columbus- und Baluschek­straße, der »Pocketpark« an der Reise­witzer Straße 18 und der Garten am ehema­ligen Volksbad. »Ich finde es schön, einen langfris­tigen Prozess zu begleiten«, sagt er. »Durch die Arbeit entwi­ckelt sich viel Detail­wissen über den Stadtteil, seine Bewohner und Initia­tiven, über Ansprech­partner und auch geogra­fische Gegeben­heiten.«

Beim Entwerfen des zukünf­tigen Parks hat sich Ehrler von den Wünschen der Löbtauer leiten lassen. Die Stadt Dresden hatte bereits 2011 einen umfang­reichen Bürger­be­tei­li­gungs­prozess in Gang gesetzt: Beim Kessels­dorfer-Straßen-Fest, bei Vor-Ort-Besich­ti­gungen und Gesprächen konnten die Anwohner ihre Gestal­tungs­ideen äußern. Schnell habe sich heraus­kris­tal­li­siert, dass die Löbtauer von einem nutzungs­of­fenen Park mit hohem Grünanteil, Gemein­schafts­garten und Grill­platz träumen, erzählt Ehrler.

Ein Bürgergarten für den »Urban Gardening«-Trend

»Die Stadt lässt sich hier gleich auf zwei Experi­mente ein, um Bürger­wünsche zu erfüllen«, erläutert der Garten­planer. »Das wird die erste Fläche mit einem fest einge­bauten Grill und die erste Fläche – abgesehen von den Klein­gar­ten­an­lagen –, die die Stadt Dresden zum Gärtnern zur Verfügung stellt.« Damit reagieren die Stadt­väter auf den Trend des »Urban Gardening«, also des Gärtnerns mitten in der Stadt. Vielleicht aber auch darauf, dass die Inter­na­tio­nalen Gärten in Johann­stadt wohl bald einem Parkhaus weichen müssen …

Rund 300 Quadrat­meter des neuen Colum­bus­straßen-Parks werden Anwohner nutzen, um gemein­schaftlich Obst und Gemüse anzubauen. Der Verein Haushalten Dresden e. V., der Dresdens erstes Wächterhaus am Emerich-Ambros-Ufer betreibt, kümmert sich um den Bürger­garten. Robin Gutting und Isabell Schultz vom Wächterhaus sowie Marc Schmidt vom Löbtauer Werk.Stadt.Laden sind die »Ober-Maulwürfe«. Die Geographen und Landschafts­planer wollen aber gar nicht unbedingt selbst buddeln, sondern sehen sich vielmehr als Vermittler, die poten­tielle Gärtner zusam­men­bringen wollen, erläutert Isabell. Eine Handvoll Löbtauer um die 20, 30 Jahre haben sich schon gefunden, weitere Mitstreiter sind gern gesehen. »Wir hätten gern auch ältere Leute und Familien«, wünscht sich Isabell. »Das soll eine Fläche sein zum Kommu­ni­ka­ti­ons­aus­tausch und als Treff­punkt. Der Garten soll nicht verschlossen sein, die Leute können immer kommen.“ Inter­es­senten können sich per E-Mail an buergergarten@gmail.com oder direkt im Wächterhaus oder im Werk.Stadt.Laden melden.

Musterprojekt mit städtischer Unterstützung

Robin, Isabell und Marc betrachten den Bürger­garten auch ein wenig als Testobjekt: »Das wird natürlich spannend – es wär ja nicht schön, wenn dann jemand Fremdes erntet«, sagt Isabell. »Aber das wird sich zeigen. Es wäre schön, wenn es gut läuft, dann macht die Stadt vielleicht auch noch an anderen Ecken was«, ergänzt die 26-Jährige zuver­sichtlich.

Das Trio wird sich auch um Garten­geräte und Unter­stell­mög­lich­keiten kümmern: Das Ortsamt Cotta stellt 500 Euro für Neuan­schaf­fungen zur Verfügung. Außerdem wollen die Gärtner einen Fahrrad­an­hänger bauen, mit dem sie alles Nötige zwischen Garten und Werk.Stadt.Laden trans­por­tieren können. Einen Geräte­schuppen dürfen sie im Park nicht errichten. Ehe gärtnernde und erholungs­su­chende Löbtauer jedoch die grüne Lunge an der Colum­bus­straße genießen können, dauert es noch einige Wochen. Ende des Sommers soll der Park fertig sein. Im Juni wurde die Fernwär­me­leitung, die durch das Grund­stück führt, saniert. Anschließend wird eine neue Humus­schicht aufge­bracht und die Oberfläche gestaltet. Rund 232.000 Euro kostet die Baumaß­nahme. Bund, Land und Stadt zahlen jeweils ein Drittel.

Steffen Dietrich

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