„Ein Ort für Idealisten“

Dem Geburtshaus von Melli Beese wird neues Leben eingehaucht

Veröffentlicht am Dienstag, 6. November 2018

Vor 132 Jahren wurde Melli Beese, die erste deutsche Motorfliegerin, in Laubegast geboren. Ihr heute denkmalgeschütztes Geburtshaus steht noch und soll saniert werden. Außerdem wollen es die neuen Besitzer zu einem Treffpunkt für Kultur und Gedankenaustausch machen.

Vor dem Melli-Beese-Haus: Silvia Tröster im Gespräch mit Christoph Wetzel (l.) und Eckhard Kempin. Foto: Pohl

Vor dem Melli-Beese-Haus: Silvia Tröster im Gespräch mit Christoph Wetzel (l.) und Eckhard Kempin.

Foto: Pohl

Eine schwarze Bronze­tafel am Eingang verrät, wer im Haus an der Öster­reicher Straße 84 vor 132 Jahren geboren wurde: Melli Beese, die erste deutsche Motor­flie­gerin. Ihr Geburtshaus steht noch, umgeben von einem großen Garten mit alten Eiben, Zedern und Obstbäumen. In dieses Kleinod hat sich die Schwei­zerin Silvia Tröster verliebt und es gemeinsam mit ihrem Lebens­ge­fährten erworben.

Aus der Kunst­stadt Basel kommend hat sie in Dresden ab 1992 eine neue Heimat gefunden. »Ich bin schnell Laube­gas­terin geworden«, sagt die Diplom-Histo­ri­kerin, die ihr eigenes Kultur­rei­sebüro führt. Ihr gefällt der Stadtteil, die kultur­in­ter­es­sierten Menschen. »Wir möchten das Haus nicht allein besitzen, sondern mit dem Galerieraum einen schönen warmen Gastraum für Begeg­nungen schaffen«, ist ihr Wunsch.

Wer Anfang September zur Kunst­meile in Laubegast hier einge­kehrt ist, konnte davon schon eine Ahnung bekommen. In gesel­liger Runde fanden sich Inter­es­sierte zusammen, um die Kunst­werke von Eckhard Kempin zu besich­tigen oder den Lesungen verschie­dener Autoren zu lauschen. Der eine oder andere bediente sich am »Kunst­au­to­maten« vom Atelier FARBIG, andere folgten der Einladung der Gastge­berin und bewun­derten den urwüch­sigen Garten mit seinen beson­deren Gehölzen. Das denkmal­ge­schützte Haus im Schwei­zerstil, erbaut 1884, ist von den Spuren der Zeit gezeichnet. Es soll saniert und in einigen Jahren zum Lebens­mit­tel­punkt von Silvia Tröster werden, die jetzt noch in der Fährstraße wohnt. »Bis dahin müssen wir noch Geld verdienen, das wir hier reinstecken werden«, sagt die 60-Jährige. Ob Dach, Fassade oder Fenster – an vielen Ecken muss angepackt werden, um das Haus in Ordnung zu bringen. Histo­rische Details wie die Holzver­kleidung, Stuck, Fenster­läden oder alte Fliesen sollen dabei erhalten bleiben. Das sogenannte Galerie­zimmer im Erdge­schoss wird renoviert und für öffent­liche Veran­stal­tungen zur Verfügung gestellt. Auch jetzt finden hier bereits in loser Folge Lesungen, Ausstel­lungen oder Musik­abende statt. Ein Aushang am Zaun verweist auf den nächsten Treff­punkt. Das spricht sich schnell herum unter den Nachbarn, so dass die Plätze knapp werden. »Ich möchte, dass hier Kunst und Literatur einen Platz bekommen«, wünscht sich Silvia Tröster. Und auch das Andenken an die erste deutsche Pilotin soll wachge­halten werden. Ein Künstler wohnt bereits im Melli-Beese-Haus: Seit anderthalb Jahren hat der Maler und Grafiker Eckhard Kempin hier sein Domizil. Seine Bilder schmückten zeitweilig den Galerieraum, bevor sie anderen Künstlern Platz machen. Mit Galerien kennt er sich aus. Der heute 77-Jährige hatte jahrelang eine eigene in Radebeul. An die 100 Perso­nal­aus­stel­lungen und Ausstel­lungs­be­tei­li­gungen kommen auf sein Konto.

Mitte Oktober besuchte ihn ein alter Freund und Künst­ler­kollege: Porträt­maler Christoph Wetzel. Er gab in der Kuppel der wieder­auf­ge­bauten Frauen­kirche den barocken Figuren Gesicht und Gestalt. Silvia Tröster kennt sich da aus, bei ihren Führungen durch Alt- und Neustadt und in der Frauen­kirche macht sie ihre Zuhörer darauf aufmerksam. Sie erzählt Wetzel von ihren Zukunfts­plänen mit dem Wohnhaus. Sein Kommentar: »Das ist ein Ort für Idealisten!«

Christine Pohl

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